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[Zweiter Band]
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Nutzung des Märchens von dem, der auszog, das Fürchtenzu lernen — dies romantische Element der Dichtung istmit vollkommener Meisterschaft behandelt. Wenn manbei der Lectüre noch von einzelnen Derbheiten sich verletztund abgestoßen suhlt, so verschwindet dieser Eindruck derMusik gegenüber. Werden die Längen, die sich auch hierfinden, gekürzt; wird das Duett zwischen Siegfried undBrünnhilden aus seiner Ueberreizung und Extase auf daseinfach Menschliche zurückgeführt, so hat die deutsche Opern-bühne in «Siegfried" eine schöne Bereicherung gesunden;ein Werk voll Kraft, Humor und Naturzauber, wie es ebennur dem Genius gelingt. Die Vorführung des „Siegfried",trotz all' ihrer scenischen Mangel, .halte ich denn auchfür die künstlerische That des ganzen Bayreuther Unter-nehmens. Dies Werk ist dadurch einem größeren Kreisezugänglich gemacht worden und wird nicht mehr vom deutschenTheater verschwinden. Wv Wagner sich der Natur undder Schönheit der alten Sage anschließt; wo er es versucht,das Weben und Walten der elementaren Kräfte musikalischanzudeuten, wo er mit einem Worte Romantiker ist, aufden Pfaden Tieck's, Novalis' und Weber's, da gelingtihm stets das Schönste — da wird Goethe's Wort zurWahrheit:

„Alle Tag und alle NächteRühm' ich so des Menschen Loos,

Denkt' er ewig sich ins Rechte,

Ist er ewig schön und groß."

Gleich anmuthig wie die Scenen des „Siegfried",in einer Art innerlichen Zusammenhangs mit ihnen giebtsich der Gesang der Rheintöchter, welcher das Ganze eröffnet,und die wunderliebliche Wechselrede Siegfrieds mit den dreiNixen in der „Götterdämmerung".