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[Zweiter Band]
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Nebelgöttern, ihren Nornen und Walküren bietet der philo-sophischen Neigung des Dichters eine Fülle von Formenfür seine halb Schelling'schen, halb Schopenhauer'schen An-schauungen. Einen unüberwindlichen Anstoß, wie so Viele,kann ich darin nicht finden, daß die buddhistische Verneinungdes Willens zum Leben einem nordischen Gott in denMund gelegt ist, der seinem Wesen nach den Willen zumLeben betont: die Sache hat ihre Komik, aber mit Phantasie-geschöpfen muß der Dichter nach Willkür spielen können.Nur sind solche Betrachtungen wenig für die Bühne ge-eignet und das Unsinnliche, das den nordischen mytholo-gischen Gestalten anhaftet, steigert sich stock) durch ihreReden. Wie weit da die Musik zu helfen vermag, kannich als Laie nicht sagen und ziehe aus der Ermüdung, diesie mir in diesen Stellen verursacht, keinen andern Schluß,als den meiner Unzulänglichkeit, sie zu würdigen und zugenießen. Dramatisch aber sind diese Wechselreden zwischenWotan und Erda, seine Scene mit Brünnhilden am Schlußder „Walküre", das lange Gespräch Waltraute's mit Brünn-hilden und die seildrehenden Nornen in der „Götterdämme-rung" nicht: Stellen voll lyrischen Schwungs und philoso-phischen Tiefsinns, die sich in einem Hymnus vortrefflichausnehmen würden, allein ohne jede dramatische Bewegung;um so weniger, je unverständlicher im Allgemeinen beider Darstellung die gesungenen Worte bleiben. Viel frischer,weil natürlicher, erscheint Alles, was aus dem Volksbuchvon dem hörnernen Siegfried entnommen ist. Der junge,grobkörnige, ungeschlachte Held; der kunstfertige und listig-verschlagene Zwerg Mime; Fafner der Drache knif demGoldhaufen, der „schläft und besitzt"; das Waldweben, derGesang des Waldvögleins; die gefällige und sinnige Be-

Freuzel, Dramaturgie. II. 15