Band 
[Zweiter Band]
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haben in der ersten Serie alle dreizehn Akte des Musik-drama's gehört: es gab eine wechselnde Zuhörerschaft, diesich bald mit einer, bald mit zwei Vorstellungen, zuweilenmit einem Akte begnügte. Von einem einheitlichen Ein-druck vermögen nur die Wenigsten zu reden. EinheitlicherEindruck? Kann überhaupt der Mensch, der fünfzehnStunden hindurch einer schwer verständlichen Musik lauscht,einen Gesammteindruck empfangen? Muß bei dieser Füllevon Motiven, von scenischen Bildern, von Figuren nichteines das Andere verdrängen? Nicht das zuletzt Gehörteund Geschaute früher Vernommenes und Gesehenes aus-löschen? Die Empfänglichkeit des Menschen hat, je mäch-tiger der künstlerische Eindruck ist, eine desto engere Grenze.Der condensirte Genuß, den man uns in Bayreuth be-reitete, endete in Stumpfheit und Dumpfheit, die Er-müdung des Körpers, die Erschlaffung der Nerven wardie nothwendige Folge dieses Opiumrausches. Aber nichtnur über die Fähigkeit der Seele, starke Eindrücke auf-zunehmen und zu verarbeiten, Wagner täuscht sich auchüber die Geschlossenheit seines Werkes. Jedes der vierStücke kann füglich für sich allein bestehen, wird doch injedem der Inhalt des vorhergehenden in umständlichsterBreite erzählt. Wiederum aber ermüden diese Erzählungen,die den einzelnen Theilen eine gewisse Selbstständigkeitund Verständlichkeit sichern, den Zuhörer des Ganzen inder peinlichsten Weise.

Was bleibt nun von diesen Bayreuther Tagen? Beiallen Unbefangenen die Ueberzeugung, daß der Weg zurwahren, zur volksthümlichen Kunst nicht über Bayreuthgeht. Manches Schöne haben wir ohne Zweifel dort obenauf dem Wagnerhügel genossen, nicht ohne Bereicherung