Band 
[Zweiter Band]
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An ihrem blumengeschmückten Sarge, an dessen Seiteihre greise Mutter, der Niobe ähnlich, nur daß sie weinte,wo jene schon Stein war, zur Erschütterung der zahlreichversammelten Leidtragenden stand, sprach der Predigerernste und eindringliche Worte, er erinnerte an den Spruchder Bibel: der Mensch ist wie Gras und seine Herrlichkeitwie des Grases Blüthe. Mir fallen die schmerzlichenVerse der äschyleischen Kassandra ein:

„O dieses Menschenleben! Wenn es glücklich ist,

Sb stört's ein Schatten; ist es kummervoll, so tilgtEin feuchter Schwamm dies Bild, und alle Welt vergißt's;

Und mehr denn jenes schmerzt mich dies: vergessen ist's."

Auguste Greliuger,

geboren 7. Oktober 1795, gestorben 11. April 1865.

Am Charfreitag, in den Nachmittagsstunden, bei mil-dem, warmem Sonnenschein, wurde was sterblich war anAuguste Crelinger dem Schooß der Erde anvertraut. Esist schön und tröstend zugleich, am Charfreitag bestattetzu werden; die Gewißheit eines Ostertages, einer blei-benden Unsterblichkeit tritt da, als wäre sie greifbar undfest zu halten, an den sinnenden Betrachter heran. Indieser Gewißheit, daß der Name und der verklärte Schattender Künstlerin, die von uns geschieden, so lange in unsererStadt noch ein der tragischen Kunst geweihtes Hausstehen wird, auch unvergänglich und unvergessen fort-dauert, senkten wir die sterbliche Hülle in das Grab.Eine zahlreiche Trauerversammlnng umstand den blumen-geschmückten Sarg der Verewigten; tiefgebeugt, in lautlosem