Band 
[Zweiter Band]
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der augenblicklichen, sichtbaren Wirkung zu Gunsten einesunsichtbaren Kunstgesetzes zu entsagen, um des harmonischenEindrucks willen den überraschenden Effect und den lautenBeifall aufzuopfern. Auguste Crelinger gehörte zu denen,die sich mit Bewußtsein beschränken gelernt. Niemalsschritt sie über die Grenze des Schönen. Ein ausdrucks-volles, schönes Antlitz, eine edele Haltung, eine königlicheGeberde, ein Organ von wunderbarem Schmelz, kräftigund tief, mit außerordentlicher Sorgfalt gebildet, machtensie auf der Bühne von jeher zu einer hervorragendenErscheinung. Auch den Gestalten, denen, wie der Eboliund der Lady Milford, der Orsina und der Adelheid im„Götz", ein gewisser Makel des Unedlen und Unsittlichenanhaftet, wußte sie einen Schimmer der Hoheit und Größezu verleihen und unser Mitgefühl für sie zu erwecken.Sie duldete nichts Niederes um sich und suchte das Ge-meine stets zur Kunst zu adeln. Darum ging ihr Spielweniger darauf aus, die Leidenschaften der Zuschauer zuerregen, als die Schönheit der Dichtung in leibhaftiger,klassischer Gestaltung auszuprägen. Sie war eine akade-mische Schauspielerin. Die gerade, strenge Linie gefielihr besser, als der kunstreiche Schnörkel. In ihrem Wesensowohl, als in der Stimmung ihrer Zeit, der Bildung,die sie genoß, war diese Vorliebe begründet. Wie es un-möglich ist, von Mozart zu verlangen, er solle Beetho-ven'sche Symphonien schreiben, so konnte man auch vonAuguste Crelinger nicht jene wilden, leidenschaftlichen Auf-wallungen und Scenen erwarten, mit denen Rachel Felixzu entflammen und hinzureißen wußte, nicht jene Ausbrüchetiefsten Gefühls, die uns zuweilen in den DarstellungenMarie Seebach's Thränen der Rührung entlocken. Ihr