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Spiel war maßvoll, einig, geschlossen, ihre Haltung vollplastischer Ruhe und Hoheit, ihre Sprache wie wohllautendeMusik. Nach keiner Seite fehlte sie durch Uebertreibungoder Ueberschwänglichkeit; es bezeichnet ihren Genius, daßJphigenie, Antigone, die Prinzessin im „Tasso" ihre be-wundernswürdigsten Schöpfungen waren; Gestalten, derersich, wie mit Recht behauptet worden, nicht Phidias ge-schämt haben würde. Ihre Darstellungen regten nicht auf,sie beruhigten, in jenem höchsten Sinne des Worts, woauch der Schmerz Ruhe wird; mit Wohllaut erfüllte sieunser Ohr, mit stiller Weihe unsere Seele. Einer Todtenschmeicheln, wäre unwürdig. In den Vorzügen und inder Weise der Künstlerin lag eine Gefahr, der ihre Dar-stellung nicht immer entging. Das Charakteristische wardöfters dem abstracten Begriff des Schönen geopfert; dasIdeal der Schönheit selbst zu einem bloßen Schema. IhreGegner warfen ihr schon früh eine große Eintönigkeitihrer Deklamation vor, am 29. Juni 1822 schreibt Ama-deus Wendt an Ludwig Tieck: „Nun hab' ich auchdie Stich gesehen — eminentes mimisches Talent, aberunerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatalesSingen, und Coquetterie hinter Allem. Julie sehr aus-gezeichnet — versteht sich, wenn man den Maßstab desGewöhnlichen anlegt. Aber die Jungfrau hat fast miß-fallen wegen jenes affektirten Vortrages." Offenbar be-zwäng die Künstlerin durch Eifer und unablässiges Stu-dium diese Mangel, vorwaltend aber blieb bei ihr dieBehandlung des Verses doch eine musikalische. Sie reci-tirte mehr, als daß sie einfach sprach. Zuweilen opfertesie dem äußerlichen Wohlklang den Inhalt der Rede. Damitstimmte überein, daß in ihren Schöpfungen die Lebens-