Band 
[Zweiter Band]
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Schattirungen, die sonst zwischen den Hanptfarben ver-mittelt hatten, verloren sich; das ganze Spiel ward aufden Effect einzelner Momente gestellt. Die Gefahr desrealistischen Schauspielers ist eben die Grimasse. Abernicht in seinem Niedergänge, auf seiner Höhe gilt es denKünstler zu betrachten. Da war Alles an ihm, in seinesWesens besonderer Art, groß, ergreifend, vollendet aus-gebildet. Mit dem reichsten Wechsel des Tons verbandsich eine überraschende Lebendigkeit der Bewegung. Un-gezwungen, in schöner Freiheit, floß die Ruhe in Leiden-schaft über, glätteten sich deren wilde Wogen wieder zurruhigen Erscheinung. Dawison's Haltung und Bewegungfehlte das Gepräge höchster Vornehmheit: sein Hamlethatte das Gebühren eines Prinzen gelernt, es war ihmnicht angeboren, wie etwa Emil Devrient. Allein derZuschauer fordert von einem Richard oder Macbeth, einemAntonius oder Othello nicht dies vollendet aristokratischeWesen; im Gegentheil der Kampf zwischen der Heftigkeitdes Dämons, der Ranhheit der Natur und der feinerenWelt- und Hofsitte, den der Künstler gleichsam vor unserenAugen bestand, verstärkte, zumeist in Othello, die Natür-lichkeit und Frische seiner Darstellung. Das wunderbare,buntfarbige, glänzende Leben in Shakspeare's Dramen,das, für mein Empfinden, eine merkwürdige Ähnlichkeitmit Rubens' Malereien hat, gewann in Dawison's Spieldie glücklichste, die hinreißendste Gestalt. Und wie wirbeim Lesen des Dichters nicht an diese schwache Motivirung,nicht an jene Sprunghaftigkeit in der Entwickelung einesCharakters denken, uns nicht über die Möglichkeit des„Sturms" oder des „Wintermärchens" in Grübeleienversenken, so vergaßen wir auch beim Anschauen der