Dawison'schen Gestalten das Unzulängliche, das ihnenanhaften mochte. Wie bei dem Dichter, entzückte unsauch bei seinem Schauspieler die Fülle von Kraft, Phan-tasie und Leben, die uns entgegenströmte. Mit einemZauberschlage waren wir in der Illusion und gezwungen,über Stock und Stein dem Dämon oder dem Genius zufolgen.
So groß Dawison auf diesen Höhen der dramatischenKunst war, so wußte doch sein vielseitiges und schmiegsamesTalent auch die verschiedenartigsten Genrefiguren des gesell-schaftlichen Lebens malerisch auszuführen. Hier fällt Jedemsein unvergleichlicher Bonjour aus dem Holtei'schen Scherz-spiel „Die Wiener in Paris" ein. Darüber giebt eskeine Verschiedenheit des Urtheils, nicht einmal eine Kritik.Diese an sich so künstliche Figur war unter seinen Händenzur einfachsten, glücklichsten Natur geworden. In diesemKreise stellt sich Bonjour ebenbürtig der russische Fürst inWolfsohn's Drama »Nur eine Seele", Pyat's „Lumpen-sammler von Paris", der Lord in dem Stück: „Sie istwahnsinnig", Lessing's Riccaut in der „Minna von Barn-helm", Holtei's Hans Jürge in „Die Perlenschnur", derGraf Thorane in Gutzkow's „Königslieutenant" — einejener Leistungen Dawison's, wo die Ritterlichkeit undLiebenswürdigkeit seiner Persönlichkeit zum herzersreuend-sten Ausdruck kam — zur Seite. Daß der Künstler, zumTheil um den Bedürfnissen der kleinen Theater, auf denener spielte, zu gsnügen, zu diesen Figuren noch eine Reiheweinerlicher, kümmerlicher alter Herren nach dem Vorbildvon Lorenz Kindlein, dem armen Poeten, fügte, war keinglücklicher Griff; er spielte sich dadurch in eine Rühr-seligkeit und Gebrechlichkeit hinein, die eine schlechte Kunst