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Und wie die Schaar beifallslnstiger Anhänger fehlteDessoir auch der eine Plato nicht. Kaum wird man späterin der Theatergeschichte Ludwig Dessoir von TheodorRötscher trennen können, Schauspieler und Kritiker ge-hören zu einander. Beide kamen nicht als Jünglinge,sondern als Männer, mit wohlerworbenem Rufe, mitfesten Anschauungen und Meinungen nach Berlin. Aberdas Beste, was sie geleistet, haben sie hier vollendet.Theodor Rötscher übte im Anfang der fünfziger Jahreeinen fast unumschränkten kritischen Einfluß aus; welch'bedeutende, in stilistischer Beziehung ihn weit übertreffendeTalente sich auch mit ihm in die undankbare Arbeit derTheaterkritik theilten, das maßgebende Urtheil ging vonihm aus. Die Rötscher'sche Theaterkritik hat einen philo-sophischen Anhauch, sie analysirt gern nach Hegel'scherWeise, sie versteht es vortrefflich, wie Hebbel einmal sagt,den Adler zu zerlegen — schade nur, daß sie oft denhölzernen für den lebendigen ansieht. Der Dichter hatden Nagel auf den Kopf getroffen: Rötscher hatte dieAnatomie eines Kunstwerks, einer schauspielerischen Leistungim Kopfe, aber er hatte kein Gefühl für das Geheimniß-volle in ihr, was sie erst lebendig macht. Es fehlte ihman Phantasie, an Eindrucksfähigkeit, an Leidenschaft. Dieknappe Kürze, die strenge Folgerichtigkeit in dem Aufbauder Sätze, die eigenthümlich schwere, bildlose Sprache, diehäufige Anwendung Hegel'scher Terminologien, zuweilenein gewisses Halbdunkel des Ausdrucks, das zu rathenaufgab, die ganze akademisch-würdige Haltung der Röt-scher'schen Recensionen übten damals die stärkste Wirkung.Noch war in jener Zeit, 1850—1856, das Publikum desSchauspielhauses ein vorwiegend stetiges, beinahe aus-