Band 
[Zweiter Band]
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Verein und im Gegensatz mit Hendrichs und Rott, mitDöring und Liedtcke, ist Dessoir zu dem Künstler geworden,dessen Abbild die Geschichte der deutschen Schauspielkunstbewahren wird. Wie oft und wie weit in die Ferne ihnnun auch Gastspielreisen von Berlin entfernen mochten —die bedeutendste ist die nach London im Jahre 1853, woer als Othello die ungetheilte Bewunderung der Engländergewann — unser Boden war und blieb das eigentliche Feldseines künstlerischen Schaffens und Wachsens. Es ist unmög-lich, den Einfluß der vielfachen, mannigfaltigen, jäh wechseln-den Anregungen einer großen, kritischen, immer Zu einemraschen und scharfen Urtheil geneigten Stadt auf das Wesenund die Entwickelung eines Künstlers genau abzuschätzen —nun gar eines Schauspielers, der im Guten wie im Schlimmenvon der Meinung des Publikums abhängt. Denn er kann sichnicht von dem verwerfenden Urtheil der Menge aus die Billi-gung des einen Plato zurückziehen. Ludwig Dessoir wußtegleich bei seinem ersten Auftreten den Geschmack der Berlinerzu treffen; der grüblerische Zug in ihm entsprach unseremkritischen Wesen, eine gewisse Kühle und Zurückhaltungin seinen Darstellungen berührte uns sympathisch. Geradedie Gebildetsten, Nachdenklichsten unter uns empfandeneine Wahlverwandtschaft mit dem Künstler. Von ihnenaus verbreitete sich die Würdigung seines Talents in immerweitere Kreise: die Menge des Theaterpublikums wurdeim eigentlichsten Sinne des Wortes von der akademischenBildung zur Anerkennung Dessoir's erzogen. Zuletzt wurdedann seine Auffassung und Ausführung gewisser Gestaltenals Dogma aufgenommen, der Zweifler galt für einenKetzer nicht allein gegen den Künstler, sondern gegen diehöhere philosophische Bildung überhaupt.