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Vorwurfs mit strenger, fast ängstlicher Sorgfalt wieder-gegeben. Aber wie es oft im Alltagsleben zu geschehenpflegt: die Ueberfülle der geistigen Elemente schadete derEntwickelung der körperlichen Kräfte. Dessoir's Gestaltenhatten keine volle — oder, da dies Wort zu viel sagt,keine glänzende, freudige Lebhaftigkeit. Wie Schlemihlseinen Schatten, hatten sie die Farbe des Lebens ein-gebüßt, sie waren alle „von des Gedankens Blässe ange-kränkelt" — zwei ausgenommen, Othello und Narziß, seinegenialsten Schöpfungen. Wenn Dawisou unter den Schau-spielern der Colorist war, so hatte Dessoir alle Eigenschafteneines groß angelegten Cartonzeichners. Schon sein rauhesund sprödes Organ kleidete jede Figur in dasselbe eintönigeGewand, den Tyrannen wie den Kammerherrn, den grübeln-den Prinzen Hamlet wie den lustigen Figaro. Nicht dieStärke, wohl aber die Modulationsfähigkeit fehlte derSprache. Sie war vortrefflich geeignet, die Schärfen undSpitzen, die verzweifelnde Klage, den Aufschrei des Zornesin der Rede auszudrücken, aber die Uebergänge, die leichtenTonwandlungen fielen ihr schwer; Dessoir sprach mehr inAbsätzen, in Sprüngen, als im gewaltigen Fluß. Dazugesellte sich eine gewisse Ungelenkigkeit und Unfreiheit derBewegung in allen ruhigen Momenten: der Erscheinungwar eben kein Adel angeboren. Selbst jene geheimuißvolleKraft, für die ich keine Erklärung habe und die mit denNamen Wandlungsfähigkeit, Nachahmungstälent, Gabe derMenschendarstellung doch nur ungenügend bezeichnet wird,das Schauspielerische in ihm ragte über ein mittleresMaß des Könnens nicht hinaus: sie ist, meinem Gefühlnach, unvergleichlich stärker in Theodor Döring. Dennoch— und dies ist einer der schönsten Triumphe des Geistes