Band 
[Zweiter Band]
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über den widerstrebenden Stoff — bezwäng Ludwig Deffoirdiese Hindernisse, ließ uns diese Mangel vergessen und,wenn es ihm nicht immer gelang uns hinzureißen, erfüllteuns stets mit hoher Befriedigung.

Daß unter den mehr als hundert Rollen, die seinRepertoir allmühlig in den dreiundzwanzig Jahren seinerhiesigen Thätigkeit vom l. October 1849 bis zum 1. October1872 umfaßte, ihm nicht alle gleich angemessen und gutsaßen, brauche ich nicht zu bemerken. Aber er scheitertein keiner. Auch wo der Stein am sprödesten war, wußteer ihm Funken zu entlocken. Das Eindringen in denCharakter, die Verstandesarbeit, die sich in der Darstellungdes Künstlers dem Zuschauer offenbarten, zogen an undfesselten, selbst wenn wir hier etwa den quellenden Humor,dort die aufschäumende Leidenschaft vermißten. Deffoir,das ist für mich das A und O seiner Spielweise, gingnicht von dem Bilde, das sich seiner Phantasie von demHelden, bei der Lectüre der Dichtung, zeigte, sondern vondem Begriff, der Abstraction des Charakters, den er dar-stellen sollte, aus. Er sah nicht Richard III. vor sich undversuchte nun das plötzlich wie in einer Vision geschautePhantasiegebild zu verkörpern, sondern er schuf sich dieFigur Zug für Zug, Glied um Glied aus den Wortendes Dichters in streng logischer Consequenz heraus. Beidem Denker - Schauspieler überwog das Denken dasSpielen. Darum war er künstlerischer und harmonischerin der Ausführung, mächtiger in der Wirkung in allenRollen, die auf einem einzigen stark betonten Motiv be-ruhen. Hier sog das Nachdenken nicht die schauspielerischeKraft auf. Unter den älteren Theaterfreunden Berlinsgiebt es keinen, der im Angedenken an Dessior's Macduff,