Band 
[Zweiter Band]
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Geßler, Buttler, Talbot, an seinen Caligula im „Fechtervon Ravenna", seinen Herzog Alba im „Egmont", denDerwisch im „Nathan" nicht ausrufen wird: „Wir werdenniemals seines Gleichen sehen." Seine Geberde, sein Ton,wenn er als Macduff sagte: „Er hat keine Kinder!" ge-hören für mich zu den höchsten und ergreifendsten Offen-barungen der Schauspielkunst. Um viele könnte ich dieZahl dieser Gestalten vermehren, ich will nur noch aneine eigenthümliche Schöpfung, aus der letzten Zeit vonDessoir's künstlerischer Thätigkeit, erinnern, an seinenLudwig XI. in Banville's „Gringoire" — eine Schöpfung,in der Groteskes und Schreckliches sich zu einem ergreifen-den Ganzen verbanden und die den wunderlich gemischtenCharakter des Königs, freilich nur im verkürzten Maße,wahrer, menschlicher und historisch treuer wiederspiegelte,als Ernesto Rossi's Darstellung in Delavigne's Trauer-spiel. Solche Rollen erhob Dessoir von mehr oderweniger wichtigen Episoden, wofür sie bisher im Bühnen-spiel genommen wurden, zu der Höhe und poetischenBedeutung, die sie im Ban des Drama's haben. Wiegeringfügig dem Umfang nach, in Rede und Spiel, Talbotund Macduff erscheinen: von ihm dargestellt wuchsen siezu ven ebenbürtigen Gegnern der Jungfrau und Macbeth'sauf. In zwei, in eine Scene drängte er den ganzengeistigen Inhalt eines Lebens zusammen und gab im klein-sten Raum die anziehendsten, die schärfsten Charakterbilder.Sein Organ, das leicht eintönig wirkte, reichte für diesekürzeren Aufgaben vollkommener aus und fügte sich besserund müheloser den hier nur seltenen Tonwandlungen.Zuweilen übte auch schon der eigen dumpfe und heisereTon, den er im Geßler anschlug und festhielt, seinen