Band 
[Zweiter Band]
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wenn nun doch einmal Alles realistisch behandelt werdensoll: läßt ein Nachtwandler das Licht stehen, mit dem ergekommen, oder geht er mit ihm davon? Sucht er aufdemselben Weg, den er gegangen, oder auf einem andernsein Lager? Signora Ristori that beides, that überhauptAlles mit durchschimmerndem Bewußtsein und sollte unddurfte doch Alles nur mechanisch und willenlos thun!Ihrer romanischen Natur und Art gemäß hat die großeSchauspielerin nur das Aeußerliche, die handelnde Seiteder Lady begreifen und wiedergeben können, das seelischeLeiden der Gestalt fällt außerhalb ihrer Vorstellung undihrer Nachempfindung. Eine katholische, duldende Königinwie Maria Stuart, eine unschuldig verfolgte Frau wiePia, eine mit unseliger Leidenschaft ringende Jungfrauwie Mirra, eine von Eifersucht verzehrte Medea: dieseMartyrien, die das Herz berühren und zerreißen, kenntSignora Ristori; in I>er Darstellung dieser Figuren ge-lingt ihr das Höchste, aber das psychische Leiden der Ladyist ihr fremd. Durch Bewegungen und Töne, äußerlichden Zustand einer Kranken nachahmend, sucht sie es aus-zudrücken; Klugheit und Kunst ist in diesem Spiel, aberkeine Seele. So schön ihr darum Einzelnes, in ersterReihe ihre Ohnmacht am Schluß des zweiten Aktes,gelang, im Ganzen ist die Künstlerin unter ihrer Aufgabegeblieben und hat uns nur eine „halbirte" Lady Macbethvorgeführt.

Ueber Legouvo's Medea, welche die Rachel, obgleichdas Stück halb und halb in ihrem Auftrag geschriebenwar, nicht spielen wollte, zerfiel bekanntlich die PariserTheaterkritik mit ihrem so lang verwöhnten Schooßkinde.Signora Ristori nahm sich des verlassenen Trauerspiels