Band 
[Zweiter Band]
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an, von daher, denn außerhalb Italiens war noch kaumihr Name genannt worden, schreibt sich ihr europäischerRuhm. Und dennoch hatte Rachel Felix künstlerisch Recht,als sie diese Medea zurückwies. Legouvö hat aus derschrecklichen kolchischen Zauberin, die den Mond heräbzu-schwören das gewaltige Wort kennt, die auf ihrem Drachen-wagen durch die Lüfte zieht, ein armes, hintergangenes,bettelndes Weib gemacht. Hungernd und durstend, ihreKnaben an der Hand, schweift sie von Land zu Land, demtreulosen Jason nach. Nicht wie die griechische Sage eswill, aus rachebrütender Ueberlegung, aus entsetzlicherEifersucht, sondern durch eine Verwickelung mehr klug vondem Dichter ersonnener, als lebenswahrer Zufälle zumVerbrechen fortgestoßen, ermordet sie ihre Kinder. Zu-weilen, wenn der Zuschauer der schönen und rührendenGruppen sich freute die Signora Ristori mit diesen Knabenbildet — so schön, als hätte sie ein griechischer Bildhauergestaltet — ergreift ihn der Gedanke, als wäre das ganzeTrauerspiel allein dieser edlen Plastik wegen geschrieben.Signora Ristori spielte diesmal am Sonnabend denlo. März die Medea. Nicht anders, als sie dieselbe unsschon mehrfach in früheren Jahren vorgeführt. Die Mutter,die Verrathene, die Geliebte, die Eifersüchtige, äußerlich, inihrem rothen, schwarz durchwirkten Gewände auch die Bar-barin, dafür trifft Signora Ristori immer den wahren, zuunseren Herzen gehenden Ton, mag er es nun mit sanfterWehmuth erfüllen, oder mit finsterer Drohung erschrecken.So mächtig der Ausdruck ihres Hasses, so rührend ist derTon ihrer Liebe, wie sanft und zärtlich können diese Augensprechen! Ihr ^vsäroino" zuKreusa am Schluß des ersten Aktsund ihr Ausruf: „Ich habe meine Kinder wiedergefunden!",