Band 
[Zweiter Band]
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beseitigt werden muß. Marie Seebach betont, ihrer Be-gabung und ihrem Wesen nach, die Umkehr von demzänkischen zu dem sanften Käthchen, für diese Umwandlungist ihrer Stimme der wahrste Ton, ihrer Erscheinung,ihrem Mienenspiel der sprechendste Ausdruck gegeben.Als wäre es die Musik ihres eigenen Herzens, so perlendie tiefsinnigen und schönen Worte von den Pflichten derGattin gegen den Gatten, am Schluß der Komödie, vonihren Lippen. In solchen Augenblicken bewegt die Künst-lerin die Seelen aller Zuhörer, es giebt keinen Wider-stand gegen diesen Zauber.

Shakspeare's Julia und Goethe's Clärchen haben,seit ihrem ersten Erfolge bei den sogenannten Muster-vorstellungen in München, unter Dingelstedt's Leitung, derMarie Seebach an die Spitze der deutschen Schauspiele-rinnen im Naiv-Sentimentalen stellte, zu ihren durchgebildet-sten und in sich befriedigten Schöpfungen gehört. Daß nichtmehr in jedem Zuge die ungebrochene Vollkraft der Mittel,die ganze jugendliche Frische, Tizianisches Leben undRubens'sche Farbengluth der Künstlerin zu so unbedingterVerfügung stehen, wie vor einem Jahrzehnt: diesen Tributzahlen wir Alle der Zeit. Wiederum aber bleiben Worte,wie das „Amen!" Julia's zur Amme, das „Weißt Du,wo meine Heimath ist?" Clärchens zu Brackenburg, vonMarie Seebach gesprochen, unvergeßlich, herzergreifend;die Fülle und Tiefe alles dessen, was die Dichter wieeinen Goldschatz, ahnungsvoll, daß er einmal gehobenwerde, in- diese Worte hineingelegt und verschlossen haben,bricht und- leuchtet in dem Ausdruck Marie Seebach's auf.So wird es nie wieder zur Erscheinung kommen. Desdemona,Julia, Gretchen und Clärchen gewinnen in ihrer Darstellung