Band 
[Zweiter Band]
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standen sei! Wie im Fluge hat sich der Ruf der Künstlerinverbreitet, wie eine Lawine ist er gewachsen. Clara Zieglerist die Tochter eines Färbereibesttzers in München; derTrieb des Herzens im Verein mit dem Drang der äußerenVerhältnisse führte sie in das Reich der Schauspielkunst;Adolph Christen, ein begabter Schauspieler des Münchener--Theaters, wurde ihr Lehrer, nach harten und peinlichenAnfängen, nach manchem körperlichen und seelischen Leidleuchtete ihr der erste Glücksstern, als sie unter demDirector Engelken das Aktien-Volkstheater in Münchenbetrat. Auf verschiedenen Bühnen, in Wien und Leipzig,Hamburg und Breslau, hat sie einen Kranz zum anderensich erworben: uns ist erst jetzt die Gelegenheit geworden,dies Talent zu sehen und zu prüfen.

Zu prüfen — denn solchem Ruhm gegenüber hat dieKritik die Pflicht, ihren höchsten Maßstab anzulegen —einen Maßstab, der freilich nicht für die vielen kleinenTalentchen paßt, denen sie nur zu oft begegnet. DerRiefenkönig von Brobdingnag hat ein anderes Maß alsder Kaiser von Lilliput. Clara Ziegler ist in Erschei-nung, Haltung und Gang eine Heroine, eine viruZo Vir-gil's. Tancredens Clorinde in Taffo's Gedicht, die Ama-zonenkönigin auf Rubens' Bilde: das ist der Typus, derideale Ausdruck Clara Ziegler's. Diese Leiblichkeit weist siein ein fest bestimmtes Rollenfach, das sie nur unter be-sonders günstigen Umständen überschreiten kann. Medea'sLeidenschaft, Elektrens Willenskraft, die Hoheit Antigone's,Donna Jsabella, Margaretha von Parma, Elisabeth vonEngland, leicht wird die Phantasie diese Gestalten har-monisch mit der Erscheinung der Künstlerin vereinigen.In der Darstellung der Jsabella, die sie uns am Sonn-