Band 
[Zweiter Band]
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Was schildert uns die Künstlerin? Den Schmerz derMutter, den gräßlichen Zweikampf der Bruder? Nein, siemalt wieder des Scheiterhaufens zweigespaltene Flammeaus. Bei dieser Vorliebe für das deklamatorische Elementder Rolle muß das tragische zurücktreten. Nirgends be-merkt darum der Zuschauer eine Wandlung, eine Steige-rung. Die Jsabella der Künstlerin könnte mit dem letztenAkt beginnen und mit dem ersten schließen, es wäre gleich-gültig. Dieselbe Musik würde uns umschmeicheln, derselbeWohlklang fortziehen. Die Entwickelung des Charakters vonder Trauer und dem Schmerz, durch Hoffnung und Stolzzur höchsten Tragik, zu dem sich aufbäumenden Titanen-trotz, zur Niobidenversteinernng, werden nicht sichtbar:man müßte denn ein Anschwellen des Tons für die Er-scheinung hinnehmen wollen. Es kommt hinzu, daß dieKünstlerin nichts Matronenhaftes hat, sondern in Gesicht,Gang und Haltung volle Jugendlichkeit bewahrt. Den Be-wegungen fehlt es weder an Adel noch an plastischerSchönheit, aber sie kehren zu häufig in denselben Formenwieder und entbehren der Mannigfaltigkeit. Zuweilen störtauch hier die Sucht zu malen: bei der Erzählung ihresTraumes zeichnet die Künstlerin gleichsam mit der Hand denherankommenden Löwen, den Herabstiegenden Adler. Giebtes ein deutlicheres Zeichen, daß diese Jsabella nicht inder Situation lebt, sondern dieselbe nur vorträgt? Wasdie Mittel der Darstellung betrifft, ein kräftiges Organund ein starkes ausdrucksvolles Gesicht, so besitzt ClaraZiegler sie wie wenige; gern gebe ich ihren Bewunderernzu, daß sie hierin ein Phänomen sei. Aber diese Mittelfind nicht vom Gedanken erzogen und gebändigt, sie ge-horchen nicht dem künstlerischen Willen, sondern beugen