Band 
[Zweiter Band]
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341.

Akt der Medea abgerechnet, hat keine ihrer Rollen denBeweis geliefert, daß sie innerlich erlebt, was sie äußerlichvorstellt. An diesem Punkt beginnt die Manier, dasVirtuosenthmn: und davor möchte man, so weit es nochmöglich, dies glänzende Talent bewahren. Nicht ohne Ein-buße ist sie durch eine Reihe von Triumphpforten ge-wandert, möge in unserem Schauspielhause der Wendepunktihrer künstlerischen Laufbahn sein. Möge sie hier, geradedurch die Ausstellungen und den Tadel, die in seltener Ein-stimmigkeit die Berliner Kritik ihr macht, erkennen, daß dieedelsten Kränze auch ihrer Kunst nur in der Sphäre desIdeals zu gewinnen sind; nicht aus der überquellenden Fülleihrer naturalistischen Begabung, „nur aus dem Kelche diesesGeisterreiches" strömen ihr wie uns Wahrheit und Schönheit.

Auch im Jahre 1871 erschien Clara Ziegler wiederauf unserer Bühne, nicht anders, als sie von uns im ver-gangenen Jahre geschieden war. Sie ist geblieben, was siewar, ein klingendes, seelenloses Instrument. Nur geringerweiterte sie den Kreis ihrer Rollen: ihren früheren hatsie die Maria Stuart Schiller's und Moreto's DonnaDiana hinzugefügt. Schiller's Trauerspiel kam am Mon-tag, den 8. Mai, zur Aufführung. Zur Darstellung derMaria Stuart bringt Clara Ziegler zuerst und zuletztdie stattliche Erscheinung und den gewinnenden Klangihrer Stimme mit. Die vielen lyrischen Stellen der Rolle,der Anfang des dritten Aktes, der Abschied von ihrenFrauen — Fräulein Ziegler's prachtvolles Kostüm imletzten Akt ist historisch; Diejenigen,- die dem tragischenSchauspiel in Fotheringhay-Schloß beiwohnten, berichteneinstimmig, daß Maria Stuart „kostbar und königlich wiezu einem Fest" gekleidet gewesen sei — diese Stellen und