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parzer betrifft, so legt man die Sammlung seiner Gedichtenach den großen Erwartungen, welche seine Verehrergerade von seinen Gedichten rege gemacht hatten, enttäuschtaus der Hand. So lange diese Poesien nur den wenigenEingeweihten bekannt waren und uns Uebrigen in einemheiligen Halbdunkel verborgen waren, erschienen sie riesen-groß: jetzt, bei dem hellen Tageslicht, schrumpfen, sie be-denklich zusammen. In der Sammlung findet sich keineRomanze, keine Ballade, nicht der Ansatz eines epischenGedichts, von eigentlichen Liedern nur eine geringe Zahl.Das Sinngedicht, das Spruchartige, das Rhetorische'herrschen vor. Unter den Epigrammen ist viel des Tief-sinnigen, Geistvollen, Ironischen, aber auch die Spreufehlt nicht. Echten Humor vermag ich nicht zu entdecken;Grillparzer's Geist nimmt fast immer eine Wendung zumBitteren und Mürrischen. Den meisten seiner Gedichteschadet ihre Länge und die Unklarheit des Ausdrucks. Aufdie schlagenden, markigen Verse an Radetzky:
„Glück auf, mein Feldherr, führe den Streich!
Nicht blos um des Ruhmes Schimmer,
In Deinem Lager ist Oesterreich,
Wir Andern sind einzelne Trümmer" —
folgen noch acht Strophen, in denen die Prosa überwuchert.Der kurze, scharfe, oft poetisch ergreifende Gedanke wirdin einer Fluth des Nebensächlichen ertränkt, und es istgleichgültig, ob wir ein politisches Gedicht, wie das überden Fall Warschau's - Grillparzer begeistert sich für diePolen oder ein Stimmungsbild,' wie Jugenderinnernngenim Grünen, betrachten. Dem Dichter fehlt die weise Selbst-beschränkung und die volle Gewalt über die Sprache.Eine tiefsinnige, grüblerische Natur, kommt er nur selten