Rudolf Baumback. Robert bsamerling.
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denen der Dichter wehmütigen Träumen und stillen Entzückungen poetischplastischen Ausdruck leiht. Der eigentliche Ruf Hamerlings aber gründete sichnicht auf diese Erstlinge seiner Poesie, sondern auf die epischen Dichtungen.Ahasver in Rom' und .Der König von Zion', unter denen die erstere die be-deutendere ist, sowie auf den Roman .Aspasia'. .Ahasver in Rom' ist eineArt epischer Vision; in das kaiserliche Rom der tust- und grauen erfüllten TageNeros, tritt die Gestalt des ewigen Juden hinein, der Künstlertyrann, derdas Leben ausschöpfen will, und der Verdammte, der den ersehnten Tod nichtfinden kann, sind als drastische, wirksame Gegensätze einander gegenübergestellt.Aber der philosophische Gedanke des Gedichtes ertrinkt gleichsam in der far-bigen, schillernden Flut üppiger Beschreibung, zu welcher der Stoff hier her-ausforderte; die ethische Tendenz des Gedichtes, welche in der BegegnungNeros mit den Christen versinnbildlicht werden soll, will wenig bedeuten gegen-über der Glut und Kraft, dem Behagen, mit welchem die Schenke Locustas, dasBacchanal Neros, der Mord Agrippinas und der Brand Roms geschildert sind.Schon bei Besprechung der Dramen Wilbrandts war jener Zeitstimmung zugedenken, welche im Taumel und der Sittenlostgkeit der römischen Kaiserzeit deneigenen Taumel und die eigene Sittenlostgkeit wiederfindet, die in der entgöttertenalten Welt die entgötterte Welt von heute gespiegelt sieht, diese Stimmungherrscht auch in Hamerlings .Ahasver'. Eine ähnliche Mischung philosophierenderPhantastik und farbenglänzender, sinnlicher Schilderung wirkt aus dem Gedichte.Der König von Zion'. Der kulturhistorische Roman des Dichters .Aspasia'verkörpert die Gegensätze des Schönen und des Wahren und Guten in denGestalten der Aspasia und des Perikles einerseits, des Sokrates andererseitsund zeugt von dem Ernste, mit welchem der Verfasser seine Aufgabe, die Leserin die griechische Welt der Perikleischen Periode einzuführen, ergriffen hat. Inder Aufgabe selbst aber liegt ein Widerspruch, sie hindert den Poeten, seineErfindung mit frei-poetischem, fortreißendem Zuge durchzuführen, sie zwingtihn seine Aufmerksamkeit auf eine Menge von Dingen zu richten, die in einemwahrhaft poetischen Werke Hintergrund sind, Hintergrund bleiben müssen undwelche in dieser .Aspasia' nun breit in den Vordergrund treten. Übrigens er-hebt sich der Roman nach Gehalt und Form immer noch hoch über die Masseder kulturhistorischen Bilder und Studien, die zur Bequemlichkeit des Publi-kums in Romansorm gegossen wurden.
Neben Hamerling erregten noch zwei aus Österreich stammende Dichter derGegenwart allgemeinere Teilnahme, Poeten allerdings, die sich ihrer Kunst undLebensanschauung, wie ihrer Bildung nach von dem philologisch geschultenDichter des .Ahasver in Rom' und der .Aspasia' wesentlich unterscheiden.
Die Perle des himmlischen Segens, die irdische Blüten netzt,Von deinen Blüten, o Deutschland, wegtrockne sie zuletzt,Zuletzt dir schwinde der Zeiten verglimmendes Abendrot, —Du bist das Herz Europas, so lahme dich zuletzt der Tod.