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Vierter Band
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Hundertstes Kapitel.

„Dido" („vläon"). In denersternfällt ein starkes Übergewicht derepischen romanhaften Begebenheit ins Auge, in der That entlehnteScudery seine Stoffe aus Romanen, im„Lygdamon"aus d'Urfes„Astrüa", im „Bestraften Betrüger" aus dem „Polexander" desGomberville. Die Buntheit der Vorgänge spottet noch des Gesetzesder drei Einheiten, aber doch zeigt sich, wie selbst ein so leichtproduzierender und äußerlicher Poet, als Scudery unzweifelhaftwar, vorn Zug der Zeit ergriffen wurde. Die Tragödien „Cä-sars Tod" und „Dido" führen Helden im Stil der Zeit vor, diean Galanterie und romantischer Tapferkeit mit den ritterlichenBesuchern des blauen Salons im Hotel Rambouillet wetteifernkonnten und sich eben darum des stärksten Beifalls erfreuten.Mit derselben Zuversicht, in welcher Scudery mit Corneille umden dramatischen Kranz rang, trat er mit seinen litterarischenFreunden auch in den epischen Wettkampf ein. Den gleicharti-gen Dichtungen Chapelains und Desmarets' fetzte er ein der Kö-nigin Christine vonSchweden gewidmetes Epos:„Alarich,oderdas besiegte Rom" („klarte cm Roms vainvus"; erster Druck,Paris 1654), zur Seite, das wenigstens an Langeweile und lebloseraufgebauschter Rhetorik hinter der „Jungfrau von Orleans"und dem „Chlodwig" nicht zurückblieb, obschon es nur zehn Ge-sänge (oder Bücher, wie Scudery sie bezeichnet) enthielt.

Verwandte Naturen mit Scudery, nur noch stärker im eigen-tümlichen Manierismus der Zeit und ihrer litterarischen Koteriebefangen, waren Calprenede und Gomberville. Gauthier dekoste de la Calprenede war zu Schloß Toülgon im Jahr1610 geboren, begann zu Toulouse die Rechte zu studieren, trataber dann in Paris bei der Garde der Königin ein und widmetesich wie sein Kamerad Scudery, mit dem er auch im Charaktereinige Ähnlichkeit gehabt haben muß, daneben der Poesie. Umdie Mitte des Jahrhunderts ward er Kammerherr des Königsund starb infolge eines Unglücksfalls (sein Pferd hatte ihn ander Stirn getroffen) im Jahr 1663 zu Paris. Er hatte dielitterarische Laufbahn als Dramatiker mit einer Tragödie „DerTod des Mithridates" („Ua raort äs NttbriäLts"; ersterDruck, Paris 1637) begonnen, welche ein Jahr vor dem „Cid"Corneilles gespielt ward und großen Beifall errang. Der pon-tische römerhasfende Despot war hier vollständig in einen ro-mantischen Tragödienhelden des Hotel Rambouillet verwandelt,der unter anderm in zierlichen Versen den trügerischen Glanz