Das Hotcl Rambouillet und seine Poeten. AI
Desmarets, daß er ein „frostiger Erzähler einer abgeschmacktenFabel" fei.
Als Genosse Chapelains und Desmarets' im Kreis des HotelRambouillet wie auf gewissen litterarischen Wegen erschienGeorge de Scudery. Aus provencalischer Familie stammend,aber zu Hävre de Grace 1601 geboren, war er frühzeitig alsSoldatin die königliche Garde eingetreten, verließ jedoch um 1630den Dienst (der ihm Anlaß gab, sich später mancher von andernangezweifelten Heldenthaten zu berühmen und zu behaupten, erhabe mehr Lunten als Kerzen verbrannt) und widmete sich derlitterarischen Thätigkeit mit leidenschaftlichem Eifer. LebhaftenGeistes, aber eitel, ruhmredig und neidisch, verwickelte er sich inlitterarische Streitigkeiten, von denen die gegen Corneille ge-führte ihm eine üble Berühmtheit verschaffte und erhielt. Ob-schon er es unter seiner Würde als Edelmann und Soldat fand,ein Stück oder ein Gedicht an die Buchhändler zu verkaufen,lebte er nichtsdestoweniger von den Erträgen seiner Feder underhielt königliche Gnadengeschenke. In die Akademie ward er1650 aufgenommen. Unmittelbar darauf ward der Poet in dieUnruhen der Fronde verwickelt, stand auf Seiten des rebellischenAdels und hatte feine Parteinahme mit einer mehrjährigen Ver-bannung in die Provinz zu büßen. Erst 1661 ward ihm ge-stattet, wieder nach Paris zu kommen, wo er am 14. Mai1667 starb. Scudery, dessen Werke teils durch den gewaltigenLärm, den er bei Lebzeiten erregt hatte, teils durch die noch einMenschenalter andauernde Beliebtheit der Romane feinerSchwester Madelaine auch nach seinem Tod nicht alsbald ver-gessen wurden, war als Lyriker im Stil seiner Zeit, als viel-gewandter und rühriger Dramatiker, schließlich auch als Epikervor das Publikum getreten. Mit mäßigem, überzugreifendemTalent, mit noch mäßigerer Selbstkritik ausgerüstet, versuchteer sich keck aus allen Gebieten, in allen Formen, überzeugt, daß er„als Dichter wie als Krieger Lorbeeren haben werde", wußte erwenigstens flüchtig zu interessieren und zu fesseln. Seine Dra-men, welche er größtenteils zwischen 1629 und 1636 verfaßte,waren teils Tragikomödien, wie „Lhgdarnon und Lydias",„Der bestrafte Betrüg er" („üo trompsurpuni"), „Orant e",„Der verkleid eteFürst"(„ll,si)rinl:8äsAui8s"), teils Komödien,wie „Der untergeschobene Sohn" („l-s tils supposö"), teilsendlich Tragödien, wie „CäsarsTod" mortäs Lss^r") und