HinidertuiidzweitcS Kapitel.
Die lohten Ausläufer der Mergangsdichtung.
Zu den irrtümlichsten Vorstellungen, welche in die Litteratur-und Kunstgeschichte vergangener Tage hineingetragen zu werdenPflegen, gehört diejenige von der plötzlichen Ablösung einerherrschend gewesenen geistigen Richtung durch den Sieg einerneuen Anschauung oder Kunstweise. Wenn im Leben der Staateneinzelne Tage und Siege die ganze Gestalt der Dinge mit einemSchlag doch mehr zu ändern scheinen, als wirklich ändern, sogibt es auf kulturgeschichtlichem Gebiet keine ähnlichen plötzlichenWandlungen. Am wenigsten konnte Corneille mit seinen viel-bestrittenen Dramen jene Poetengeneration völlig überwinden,aus der er anfänglich selbst hervorgegangen war und mit derer lange in einer gewissen Verbindung blieb. Eine Anzahl dergleichalterigen Dichter fuhr fort, auf ihre Weise die Litteraturzu Pflegen und dem Geschmack der Kreise zu huldigen, welchesich mit der neuen männlichem und tiefernsten Kunst nicht zubefreunden vermochten. Daß ein Teil von Corneilles Thätigkeitin die Jahre der Frondeunruhen fiel, und daß während dieserdenkwürdigen, im eigentlichsten Sinn des Worts frivolen Kämpfedas Interesse an der Entwickelung der ediern Dichtung mannig-fach beeinträchtigt, eine gewisse Neigung für die burleske, dieflüchtigsten Tagesinteressen possenhaft behandelnde Litteraturgeweckt wurde, hielt jedenfalls das rasche Gedeihen der mit dem„Eid" angebahnten neuen Richtung auf. Indes würde auch ohnedas eine lange Nachwirkung sowohl der sentimental galantenals der burlesken Schule stattgefunden haben, die Generationder Schöngeister, welche sich in den letzten Zeiten an die Kreisedes Hotel Rambouillet angeschlossen hatte, war meist rechtlanglebig und die nachahmenden jüngern Talente fanden nochlängere Zeit hindurch bereitwilligen Schutz und entschiedene