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Vierter Band
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Hundectlmdzweites Kapitel.

größere Teil dieser langatmigen Romane aus ihrer Feder floß,daß, wenn GeorgeScudery zum,,Großen Cyrus" und der„Clelia"irgend etwas beitrug, dies höchstens der Entwurf (der Kanevas)war, während die gesamte Ausführung, die in diesen Bücherndie Hauptsache ist, seiner Schwester zufiel. Viel wahrscheinlicherist noch, daß Madeleine Scudery die Romane ohne jede brüderlicheBeihilfe verfaßte. Als eine Persönlichkeit, welche die Vorzügeder Dame von Stand und der Frau von Geist vereinigt, warddie vielgelesene Schriftstellerin weit über Frankreich hinaus be-rühmt, Königin Christine von Schweden und deutsche Fürstin-nen korrespondierten mit ihr, sie empfing eine Pension zuerstMazarins und nachmals des Königs und ward schließlich alsletzte Überlebende einer hochinteressanten Zeit geehrt und ge-feiert. Sie erreichte das hohe Alter von 94 Jahren und starbam 2. Juni 1701 zu Paris. Das Interesse an ihren Romanenüberlebte noch eine Zeitlang die Verfasserin.

Madeleine de Scudery war offenbar eine befähigte, iminnersten Kern sogar eine liebenswürdige Natur — aber von dergespreizten, ungesunden Bildung ihrer Kreise durchaus beherrscht.Man könnte aus ihren Romanen ein völliges Bild der preziö-sen Unnatur und der besondern Lebensanschauungen der damali-gen Gesellschaft gewinnen. Denn bis auf die Einzelheiten derKonversation und den Ton der Korrespondenz spiegeln die Ro-mane der Scudery trotz ihrer scheinbar orientalischen und römi-schen Titel und Stoffe die Zustände, Empfindungen und Gesin-nungen des aristokratischen Frankreich unter Richelieu, Mazarinund dem jugendlichen Ludwig XIV. wieder. Die Leser dieserRomane wußten jeder Person ihren wirklichen Namen zu geben,jeden Vorgang aus sein Urbild zurückzuführen, jede hineinge-heimniste Beziehung zu erraten und zu deuten. Von dem,,Jbra-him" („Ibrgüiiu ou lillusii-o ULS8L", Paris 1641), in wel-chem noch einigermaßen der Versuch gemacht ist, der GeschichteLokalkolorit zu leihen, und von den Spätlingsromanen „Alma-hide" („ütiuLbiäs ou I's8oluvs rolus", ebendaf. 1661—1663) und„Mathilde d'Anguilar" (ebendaf. 1669) abgesehen, bleibendie beiden gelesensten und verbreitetsten Bücher der Schriftstel-lerin auch diejenigen, welche für die Charakteristik ihres Wollensund Könnens die wichtigsten sind. „Artamenes oder dergroßeCyrus" („XrtLiusns oa le Zranck Paris 1649—

1653) war die Einhüllung der Geschichte des großen und be-