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Hundertunddrittcs Kapttcl.
Hunderts pflegten, und zwischen denen, welche zu größererStrenge neigten, eine unbedingte Scheidung herbeiführen konnte.In Boileaus Dichtung wie in feinem ästhetischen Glaubensbe-kenntnis prägte sich mit aller Schärfe der besondere sprachlich-formelle Idealismus der Generation aus, und obschon an Talenteiner ganzen Reihe von Mitstrebenden untergeordnet, gelang esihm doch, als der eigentliche geistige Führer der LitteraturepocheLudwigs XIV. angesehen zu werden.
Nicolas Boileau-Despreaux, geboren am 1. (6.) No-vember 1636 zu Crosne bei Paris als das elfte Kind einer wohl-begüterten Familie, hatte beim frühen Verlust seiner Mutter undentschiedener Kränklichkeit ein unerquickliches Kindesalter, be-suchte das College Harcourt und College Beauvais zu Parisund zeigte früh eine entschiedene Vorliebe für die römische Litte-ratur, die er sein Leben hindurch bewährte. Als „Sohn, Bruder,Onkel, Vetter und Schwager von Rechts gelehrten" widmete ersich der Jurisprudenz, ward, 21 Jahre alt, unter die Ad-vokaten des Pariser Parlaments aufgenommen, fand aber dieLaufbahn so wenig nach seinem Geschmack, daß er sie bald mitdem Studium der Theologie an der Sorbonne vertauschte. Diegleichfalls kurz währende Befreundung mit den theologischenStudien trug ihm später eine Pfründe ein, nach dem Tod seinesVaters (1657) aber zog er es vor, gestützt aus ein mäßigesererbtes Vermögen, lediglich seinen litterarischen Neigungen zuleben. Sein erstes erfolgreiches Auftreten als Poet knüpfte sichan die 1666 herausgegebenen „Satiren", in denen er zugleich mitschneidiger Kühnheit fast sämtlichen mittelmäßigen Poeten der da-maligen Zeit gegenübertrat und dabei jene Verskunst entfaltete,welche sich durch klarste Bestimmtheit, Eleganz und Leichtigkeitdes Ausdrucks, durch den höchsten Wohllaut auszeichnete, dersich der französischen Sprache abgewinnen ließ. Hier offenbartesich zuerst, was Boileau ein Leben hindurch bewährte: „der guteTakt, das feine Ohr, die sichere Urteilskraft" (La Harpe), welchletztere Boileau namentlich dadurch an den Tag legte, daß erdas Maß seiner Kräfte kannte und innehielt. Die Natur hatteihm außer dem sprachschöpferischen Vermögen alles versagt, waszum lyrischen Dichter im engern Sinn gehört; aber er erkanntemit scharfem Selbsturteil, daß er sich in den der Prosa zunächstliegenden Grenzgebieten der Lyrik: in der satirischen, didaktischen,in der feierlich-rhetorischen Poesie, auszeichnen könne, wenn er seine