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Vierter Band
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Boileau. und die Doktrin des Klassizismus.

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wie sie Zeugen ihrer Niederlage geworden seien, erweisen aufsklarste, daß Boileau zu dieser Art von Flug seinen bedächtigemPegasus scharf anstacheln mußte. Dafür entwickelte er in seinen„Satiren" und „Episteln", in denen er Juvenal, Persius undHoraz nacheiferte, ja die römischen Dichter direkt nachahmte,seine besondern Vorzüge. Neun Satiren entstanden in denJahren 1660—67, die zehnte 1693, die elfte 1698, die letzte(zwölfte) 1705, und behandeln zum großen Teil die moralischenund litterarischen Lieblingsthemen Boileaus. Namentlich dieerste, zweite (an Möllere gerichtete), die durch ihre bittere Kritikder Frauen und ihrer Schwächen dem Ton der Zeit so scharfentgegengesetzte elfte enthalten direkte Bezüge zur Litteratur undsind in gewissem Sinn Beiträge zur Boileauschen Ästhetik;auch in denjenigen, welche rein moralische Fragen erörtern,allgemeine Thorheiten der Menschheit und namentlich des Bruch-teils der Menschheit geißelten, der Paris bewohnte, fehlt es nichtan litterarischen Anspielungen.

Ebenso kehrt Boileau in seinen poetischen „Episteln" unab-lässig zu seiner Hauptaufgabe: dem Kampf gegen die Flachheitund unverschämte llberhebung der schlechten Poeten, zurück.Obschon nur die Episteln 7, 10 und 11 spezifisch litterarischeThemen behandeln, einige andre an den König gerichtete Huldi-gungen sind, wieder andre (2, 3, 5, 9) sich als didaktische Er-örterungen über Streitsucht, falsche Scham, Selbsterkenntnisund Wahrhaftigkeit darstellen, während die sechste das Lob desLandlebens nach dem Muster antiker Poeten erklingen läßt,treten die litterarischen Grundanschauungen des Poeten überallin den Vordergrund, und selbst in dem an den Marquis vonSeignelay gerichtetenPreis derWahrhaftigkeit oder in der vierten,die holländischen Siege des Königs feiernden Epistel vergißt erkeinen Augenblick die französische Poesie und seine besondernWünsche für dieselbe. Boileaus ganze Bildung hatte die früheReife der Einseitigkeit, alle Anschauungen, welche diese Episteln ans-sprechen, sind durchaus klar, sicher, so bestimmt als wohlerwogen,seine schmückenden und feiernden Beiworte (bis auf die unvermeid-lichen Hyperbeln zum Ruhm des großen Ludwig) sinnreich, maß-voll und treffend, seine Verse von leichtem Fluß und tadelloserEleganz. Daß ein Dichter wie Boileau nicht zur Vollendunggrößerer Schöpfungen angelegt war, ergibt sich aus allem Ge-sagten. In der That fühlte er sich nur einmal zur Ausführung