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tzundertmiddritteS Kapitel.
eines kleinen heroisch-komischen Epos: „Das Chorpult"' („I.Sllutrin"), gestimmt, in welchem er einen Streit zwischen demSchatzmeister und dem Kantor der Samte Chapelle von Paris,einen Streit, dessen Gegenstand ein großes Chorpult ist, besingt.Die Wirkung beruhte hier, wie in allen ähnlichen epischen Dich-tungen, durchaus auf dem Gegensatz zwischen der Geringfügig-keit des dargestellten Vorfalls und der Erhabenheit des Tons,selbst die Göttermaschinerie, welche der Dichter für den Kampfum das Chorpult in Bewegung setzte, bringt einen humoristischenEindruck hervor. Auch hier steht demDichterdieunbedingteKlar-heithöher als jeder Stimmungsgehalt, aber der Stoff des kleinenGedichts gestattet ihm die Vereinigung der Klarheit, der gleich-mäßig korrekten Detaillierung und Versbehandlung mit einemgewissen fröhlichenTon und einer leichten Selbstironie, welche sichsonst selten bei deni höchst ernsthaften und durchgehends würde-vollen Poeten finden. Die Probe, welcheBoileau mit dem„Chor-pult" von seinem Talent zu objektiver Dichtung und Darstellunggab, verleugnete zwar den „gebornen Satiriker" nicht, war aberdoch respektabel genug, um es bedauern zu lassen, daß der Dich-ter sich nicht zu einigen ähnlichen Schöpfungen zu konzentrierenwußte. Gleichwohl ist es verständlich genug, daß Boileau esbei der einen Probe bewenden ließ: für ihn handelte es sich nurdarum, den Beweis zu führen, daß er einer poetischen Komposi-tion vollkommen gewachsen sei. Die Fruchtbarkeit gehörte nichtzu den Eigenschaften, die er beim Dichter für unerläßlich hielt,wennschon er sie an Moliere zu schätzen wußte. Seine ästhetischeTheorie aber verkündigte er in einem größern Lehrgedicht: „DieDichtkunst'" („ll'urt xoötigns"), für welches die Epistel desHoraz an die Pisonen das Vorbild gegeben hatte, wiewohl ge-rade in diesem Gedicht Boileau seine eigensten Gesinnungen undÜberzeugungen aussprach und jene Regeln vortrug, welche sounbedingt in die Geistesbildung und Knnstanschauung der Fran-zosen übergingen, daß seitdem kein Dichter ungestraft gegen dieseRegeln sündigen konnte. — Verdienst und Beschränkung derBoileauschen Poetik treten uns in seinen Hauptsätzen vollkommen
' Eine deutsche Übertragung des „Chorpulis" von Friedr. Heinrich v.Schönberg (Dresden 17ö3).
2 Eine deutsche Übertragung der Poetik des Boileau von I. Schäfer(Siegen 1881).