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Hundertundvieries Kapitel.
Sein Leben und seine Werke", Frankfurt a. M. 1880, S. 69.)Trotz dieser Erfahrungen täuschte sich Mokiere doch, wenn er jetztan der Seite Armande Bejarts ein wirkliches Glück erwartete.Denn wieviel man auch auf Rechnung der niedrigsten Verleum-dung und des nichtigsten Klatsches setzen mag, welche sich leideran Molieres persönliche und häusliche Verhältnisse hängten, sounterliegt es doch keinem Zweifel, daß Mißverständnisse undZerwürfnisse mit seiner jungen Frau dem Dichter im nächst-folgenden Jahrzehnt das Leben mannigfach verbitterten. SeinDasein gestaltete sich überhaupt erfolg- und ruhmreicher alsinnerlich befriedigt und wahrhaft beglückt. Seitdem er überseinen poetischen Beruf im klaren war und mit wachsenderKühnheit das Leben der Zeit in seine Komödien hineinzog, er-standen ihm Gegner von allen Seiten. Die fortdauernde GunstLudwigs XIV. erweckte den brennendsten Neid seiner litterari-schen und artistischen Nebenbuhler, kein Mittel wurde unver-sucht gelassen, um den König gegen Mokiere zu stimmen. ZumGlück verstand Mokiere aus dem Grunde die schwere Kunst, denKönig zu unterhalten und zu zerstreuen, zum Glück hatte Lud-wig die Meinung gefaßt, daß es ihm und seiner Regierungdereinst zum Ruhme gereichen werde, Moliere beschützt undbefördert zu haben. So prallten die reichlich versendeten Pfeileder abscheulichsten und albernsten Denunziationen meist, dochfreilich nicht immer, an der Vorliebe des Königs für seinen ge-nialen „Kammerdiener" ab, dessen Phantasie und Laune uner-schöpflich schienen. Die stärkste Probe bestand die Vorliebe desKönigs, als Moliere im Jahr 1664 das Charakterlustspiel „DerHeuchler" (nachmals „Tartüff") schrieb und zunächst die dreiersten Akte desselben bei den großen Festen im Mai dieses Jahrszu Versailles vor Ludwig XIV. darstellte. Die Geistlichkeit undalle „Frommen", mit denen sich sehr weltlich gesinnte Feindedes Dichters verbanden, erblickten Blasphemie, Herabwürdigungder Religion darin, daß Moliere das Laster der religiösen Heu-chelei in den Kreis der Charakterkomödie und auf die Bühnezog und bestürmten den König nicht nur um das Verbot desStücks, sondern auch um härteste Bestrafung des Verfassers.Ludwig ließ sich statt dessen zwar noch einmal die drei erstenAkte vorführen, untersagte auch eine Privataufführung desganzen Stücks im Haus des Prinzen von Conde nicht, verbotaber doch die Veröffentlichung. Die Erlaubnis zur Vorführung