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HimdertundvierteZ Kapitel.
tung im Charakter des Arnolphe, von unschuldiger und unbe-wußter Koketterie in dem der Agnes zeigen, wie weit Molierejetzt schon in der Kunst der Menschendarstellung gediehen war,und was er gegenüber der seither herrschenden reinen Situations-komik darzubieten hatte. Ein kleines Nachspiel: „Die Kritikd er S chul e d er Fr a uen" („ldo. sritiqus äs l'sools äss tsminss";erster Druck, Paris 1663), vergegenwärtigte in geistreicher Plau-derei die Urteile über das erfolgreiche Stück, welche die PariserGesellschaft durchschwirrten, und führt einige Typen ebendieserGesellschaft vor, die den „Kostbaren" gleich oder wenigstens nahekommen.
DerEutstehungszeit nach folgte, von kleinern Werken, wie„DieLustigen", „Das Impromptu von Versailles", die späterhin zu be-sprechen sind, abgesehen, Molieres in gewissem Sinn berühmtestesund am meisten bewundertes Drama „Tartüff" („Us Us-rtuSsou 1'imxostsur"; erster Druck, Paris 1669), ein Werk, welcheswieder für die Kühnheit der Lebensbeobachtung und Lebenswieder-gabe Molieres zeugt. „Wenn es die Aufgabe der Bühne ist, dieLaster der Menschen zu züchtigen, so sehe ich nicht ein, weshalbes privilegierte Ausnahmen davon geben soll. Ein solches Privi-legium hat im Staat gefährlichere Konsequenzen als jedesandre, und doch hat die Bühne einen großen Einfluß auf dieVerbesserung der Sitten. Die schönsten Darstellungen einerernsten Moral sind oft nicht so wirksam als die Geißelhiebe derSatire, und nichts korrigiert die Menschen besser als das Ge-mälde ihrer Fehler. Die Laster dem Gelächter der Menschenbloßstellen, heißt sie am wirksamsten angreifen. Man nimmteinen Tadel ruhig hin, aber den Spott erträgt man nicht. Manläßt es sich gefallen, für boshaft zu passieren, aber man willnicht lächerlich fein." (Aus Molieres Vorrede zur ersten Aus-gabe des „Tartüff".) Der „Tartüff" war die erste KomödieMolieres, in welcher die komische Wirkung mit einer sehr ernstenAuffassung und Charakteristik gewisser Lebenserscheinungen ver-bunden wurde.
Das Laster der Heuchelei, und zwar der Heuchelei mit reli-giöser Färbung, durchsetzte das gesellschaftliche Leben Frankreichs,bedrohte die Zustände, deren inan sich für den Augenblick mitvoller Seele erfreute. Moliere galt es sicher gleichviel, ob dieHeuchelei und scheinheilige Sittenstrenge janscnistischer oderjesuitischer Färbung war, er erbitterte daher mit seiner Charak-