Band 
Vierter Band
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Moliere.

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teristik des religiösen Heuchlers die Devoten beider Parteien.Um so stärker war der Eindruck bei der großen Mehrzahl derZeitgenossen. Die Züge des „Tartüsf" besaßen aber mehr alsZeitwährheit, sie sind die typischen des Heuchlers überhaupt, unddie ernste Sittenkomödie bewahrte darum ihre Wirkungsfähig-keit sür Jahrhunderte, trotzdem ihr Sittenhintergruud durchausder Zeit Molieres angehört. Die stärksten ästhetischen Einwände,welche gegen „Tartüsf" erhoben worden sind, lausen immer dar-auf hinaus, daß, ungeachtet der Hervorkehrung des Lächerlichenim Charakter des Heuchlers und in seinem Verhältnis zu denübrigen Gestalten des Stücks, die Wirkung doch eine überwie-gend ernste und darum in peinlichem Widerspruch mit derstarken Komik einzelner Situationen und Momente sei. DieseZwiespältigkeit der Grundstimmung zugegeben, bleibt doch „Tar-tüss" ein echtes Meisterwerk in bezug aus dramatische Anlage,auf lebendige Entwickelung einer einfachen und doch reichenHandlung aus dieser Anlage, auf kräftige, psychologisch feineund vollendete Charakteristik. Im „Tartüsf" schuf Moliere daserste seiner Werke, welches den von Boileau für alle französischeLitteratur erhobenen Forderungen völlig entsprach.

Nicht der Vollendung, aber dem öffentlichen Erscheinen deshartbestrittenen „Tartüsf" waren eine Reihe andrer KomödienMolieres vorausgegangen. Zuerst „Don Juan" („von lu-»,ou Is vsstin äs kierro"; erster Druck hin abgeschwächter Fassung^in Band 7 der von La Grange herausgegebenen Werke, 1784;abweichende und nnverkümmerte Texte in „Vo vsstiu äs vwri-s.tlomölis"; Amsterdam 1683, Brüssel 1694), welcher, l665 aufMolieres Theater zur Ausführung gebracht, unbeanstandet mo-natelang gegeben ward, aber bei Molieres Lebzeiten niemalsgedruckt werden durfte. Den Stoff entnahm Moliere im wesent-lichen der Don Juan-Bearbeitung des Italieners Cicognini, einigeEpisoden hat mau auch direkt auf Tirso da Molina, den erstenhervorragenden dramatischen Bearbeiter der Don Juan-Sage,zu-rückzuführen gesucht. Molieres Bearbeitung ward dem Stoffdarin vor allem gerecht, daß er die in demselben begründete Ver-bindung des Hochtragischen und burlesk Komischen nicht scheute,obschon diese Verbindung den ästhetischen Grnndanschauungendes Klassizismus entschieden widersprach. Wie Moliere sichüberhaupt als der Dichter der Zeit Ludwigs XIV. erwies, wel-cher der Natur am nächsten stand und das volle Verständnis

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