Jean Racine und die Tragödie.
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keit, ein höherer versöhnender Gedanke zur Geltung kommt, istalles auf ein bestimmtes Ziel gerichtet und eilt, durch keineEpisoden, keine Zwischenhandlungen unterbrochen, demselbenzu. Wir können einem Dichter unsre Bewunderung nicht ver-sagen, der die Fesseln jenes Systems (des klassischen) mit Anmutund Leichtigkeit trug und den sie nicht abhielten, das, was erals die eigentliche Aufgabe seiner Kunst ansah, durchzuführen,nämlich den von innen heraus handelnden Menschen sich in derSelbstbestimmung seines Willens, seiner Gefühle und Leiden-schaften manifestieren zu lassen." (Ad. Laun, Einleitung zu„Racines ausgewählte Tragödien", S. 12.) Jeder Vorteil undNachteil, den die einseitige Konzentration in der Poesie hervor-bringen können, erscheint sonach in Racines Tragödien verkörpert,und es ist begreiflich, daß seine Kunst nicht nur unmittelbarauf das Volk und die Generation wirkte, für die sie zunächstberechnet war, sondern daß ihr jene dauernde Wirkung gesichertblieb, die jedes Höchste, in seiner Weise Vollendete, erreicht.
Die Mängel der klassischen Tragödie als Gattung, ihr künst-licher Aufbau, ihre überwiegend rhetorische Ausführung, tretenin den Jugendwerken Racines: „Die feindlichen Brüder"NüäbÄiäo ou Iss tröreo krmsrws"; erster Druck, Paris 1661)und „Alexander" („Xlexaiuli-s"; erster Druck, ebendas. 1666, mitWidmung an Ludwig XIV.) am auffälligsten zu Tage. Der Dich-ter hatte in ihnen das Prinzip der drei Einheiten, der strengstenBeschränkung auf Spiel und Gegenspiel weniger Gestalten, dieVerlegung beinahe aller äußerlichen Handlung hinter die Szenebereits ziemlich durchgeführt, aber noch nicht so sorgfältig wiein spätern Werken das Verhältnis seiner Stoffe zu diesem Prin-zip erwogen. Die Vorzimmertragödie, wie man sie getauft hat,schloß zugleich die Mitwirkung der Massen und den Hintergrundbewegter und rasch wechselnder Vorgänge unbedingt aus, dieSage vom Kamps um Theben, von der Feindschaft des Eteoklesund Polynikes und noch viel mehr die Überlieferungen vonAlexanders großem Jnderzug forderten diese Mitwirkung fürjede poetische Gestaltung. Nur mit einer gewissen Gewaltsam-keit war hier die Enge der wohlgegliederten Tragödie rhetori-schen Stils zu gewinnen. Indessen konnte Racine auch in diesenJugendwerken durch lebendige Phantasie und die melodischeAnmut feiner Verse sich auszeichnen. Wenn Corneille nach An-hörung des „Alexander" behauptete, „Racine zeige großes Talent