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Hunderiundsechstes Kapiiel.
Tagekamen. Der hervorragendste unter diesen Vertretern war derleichtherzige Jean de Lafontaine, persönlich eine der denk-würdigsten Poetengestalten, von denen die Litteraturgeschichte zuberichten weiß. Geboren am 8. Juli 1621 zu Chäteau-Thierryin der Champagne, genoß er die gewöhnliche dürftige Erziehungeines Landjunkers, begann aber 1641 zu Reims einige theolo-gische Studien, wahrscheinlich um die niedern Weihen zu er-langen und in Zukunft einige bequeme Pfründen in Besitz neh-men zu können. Indes seine vergnügungssüchtige Natur wider-strebte auch dem mäßigen Ernste, der damals von den Geistlichenseiner Kirche gefordert ward; er fand Reims nicht zu klein, umes zum Schauplatz lustiger Streiche und genußreicher Thorheitenzu machen. Sein Vater hielt es für gut, ihn mit einem liebens-würdigen jungen Mädchen zn verheiraten, um ihn zur Ordnungzu bringen; aber weder die Ehe noch die Geburt eines Sohnsvermochten das Naturell Lafontaines zu ändern oder zu unter-drücken. Er hatte seine poetischen Versuche bereits begonnenund teils in den italienischen, teils in den antiken Dichtern seineMuster gefunden. Von den vaterländischen schützte er Malherbenicht um seines Inhalts, sondern um der Vollendung der Formwillen. Sein rasch zu Tage tretendes Talent und seine liebens-würdige Unterhaltungsgabe erwarben ihm die Gunst des damalsnoch allmächtigen Intendanten Fouquet, der ihn in seinemSchloß Vaux häufig empfing, ihm eine Pension verschaffte unddamit Lafontaines Übersiedelung nach Paris ermöglichte. Inden Kreisen der großen Welt und der Litteratur bewegte sich derDichter mit einer Naivität, einer Einfachheit und Harmlosigkeit,welche ebendiese Kreise als Gegensatz zum Gewohnten entzückte.Nach dem Sturz Fouquets (dem Lafontaine eine ehrliche Dank-barkeit bewahrte, und für den er selbst den zürnenden König ineiner poetischen Bittschrift um Gnade bat) fand der sorglose PoetGönner und Gönnerinnen in den Prinzen von Conde und Conti,im Herzog von Vendöme, der Herzogin von Orleans und derHerzogin von Bouillon, von vielen andern zu schweigen. NurLudwig XIV. zeigte sich bis zur Ungnade kalt gegen einen Dichter,der weder mit seinen kecken poetischen Erzählungen noch mitseinen Fabeln den Geschmack des Königs traf. Es galt als einAkt des Trotzes, daß die Akademie im Jahr 1684 Lafontainezu ihrem Mitglied wählte. Ludwig XIV. erteilte die Bestäti-gung nicht eher, als bis auch seinem Liebling Boileau ein Sitz