Die klassischen Prosaisten.
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einigen sehr bekannt gewordenen Versen, daß er, um vor denAugen seiner Schönen Gnade zu finden, den Königen den Krieggemacht habe und ihn, dasern nötig, auch den Göttern machenwerde. Die schließliche Niederlage seiner Partei zwang ihn, sichauf seine Güter zurückzuziehen; später lebte er wieder in derNähe des Hofs und erfreute sich des Verkehrs mit einem Teilder glänzenden Gesellschaft, welche Ludwig XIV. um sich ge-sammelt hatte. Eine vertraute Verbindung mit der als Roman-schriftstellerin schon charakterisierten Gräfin von Lafayette undein Kreis geistreicher Freunde erheiterten die Tage seines Alters,danebenschriebderHerzoganseineninteressanten „Erinnerungen".Schon bei Beginn dieser Periode seines Lebens (1665) warenseine „Betrachtungen" erschienen, welche seinen Namen in derfranzösischen Litteratur erhielten. Rochefoucauld starb nacheiner sehr langwierigen und schmerzhaften Krankheit am17. März 1680.
Von allem, was der geistreich-skeptische Weltmann geschrieben(außer seinen „Wuvrss eoinxlLtss" ferste Ausgabe von Depping,Paris 1818; neueste Ausgabe von Gilbert und Gourdaulf 1868bis 1873s erschienen noch „Wuvros inöckitss", herausgegebenvon Barthelemh, ebendas. 1863), ist nur der kleine Band der„Moralischen Betrach tungen" ^ („Röüsxioils, ou seuttznosset msximes inoralss"; erster Druck, ebendas. 1665; neueste Ausgabevon Lacour, ebendas. 1868) für uns von Wichtigkeit. Diese Be-trachtungen sind ein echtes, höchst geistreiches Produkt derSkepsis, zu welcher der Weltmensch, welcher nie tiefere Eindrückeempfangen hat als die der guten Gesellschaft, notwendigerweisegelangen muß. Wenn Rochefoucauld als Summe seiner Weis-heit hinstellt, daß „die Eigenliebe der Beweggrund aller mensch-lichen Handlungen ist", in allen Vorkommnissen des Lebens undallen sogenannten moralischen Empfindungen wiederkehre, wenner mit dieser traurigen Einsicht den schärfsten Blick für die großenund kleinen Schwächen der Menschen (das will immer nur sagender Lebenskreise, in denen er sich bewegt) erlangt hat, so störtihm dies das Lebensbehagen und die Freude an den kleinen Ge-winnen des Daseins, die übrigbleiben, keineswegs. Rochefou-cauld ist Skeptiker, keineswegs Pessimist. Er kritisiert die mensch-liche Natur mit einer kühlen Ironie, glaubt an keine mensch-
i Deutsche Übertragung von A. Schlenbach (Leipzig 1852).