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Vierter Band
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Die klassischen Prosaisten.

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Broschüre vertreten konnte. Ähnliche Briesfolgen aber wieder-holen sich im Verlauf von Frau von Sevignes Korrespondenznoch vielfach; die völlige Absichtslosigkeit, den bloßen Plauder-ton darf man in gewissen Fällen Wohl bezweifeln. Eine Reihedieser Briefe erwecken den Eindruck, als ob sie in den großenHosintrigen, über die sie mit so vielem Feuer und so dramatischerLebendigkeit berichten, auch ein wenig mitgespielt hätten.

Dem litterarischen Verdienst der Briefe thut dies keinenAbbruch. Im ganzen ist der Ton ein natürlicher, unmittelbarerund verständiger, nur in kleinen Einzelheiten verrät sich, daßFrau von Sevigne ihre Jugend noch unter den „Prezieusen" desHotel Rambouillet verbracht hat und zu einigen Nachzüglern derlitterarischen Koterie in sortdauernderBeziehung stand. DieBrief-schreiberin stellt dieRückwirkung des Stils der klassischen Littera-tur auf Darstellungsfähigkeit undSprachbildung der Gesellschaftin sehr günstigem Lichte dar und bringt zum Bewußtsein, daßder Enthusiasmus und die Empfänglichkeit für die neue Bildungbei der französischen Aristokratie aufrichtig und nachhaltig waren.Die Briefe verraten keine Geistestiefe, aber einen regsamen, ge-bildeten Geist, eine frische Empfänglichkeit für menschliche Größeund wahres Verdienst, neben der freilich gewisse schiefe, vom Per-sönlichen bestimmte Urteile und unerquickliche Äbneigungen, dieman tadelnd hervorgehoben hat, ganz wohl bestehen können. DasEigenartige der Briefe liegt in der Thatsache, daß ein reinesHos- und Gesellschaftsdasein, in welchem es nach La BruyeresAusdruck eine ernste Aufgabe ist, „sich Muße zu Belustigungen,Festen, Schauspielen zu verschaffen", für ein paar JahrzehnteWeltgeschichte und Mittelpunkt der Weltgeschicke war, daß sichdie großen Vorgänge und der kleine Klatsch so wundersam in-einander verquickten, um der geeignete Stoff für eine Frauensederzu werden. In dieser Hinsicht bilden die Briefe der Frau vonSevigne den Übergang von der inhaltsleeren gesellschaftlichenBriefstellerei der Voiture und Balzac zu der Memoirenlittera-tur der Zeit, welche ja gleichfalls keinen unwichtigen Bestand-teil der französischen klassischen Prosa abgab.

Stern. Geschickte der neuer» Litteratur. IV.

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