Dte klassischen Prosaisten.
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büßt. Der Stil des Kardinals Netz ist noch nicht der klassischeder spätern Jahrzehnte Ludwigs XIV., er erscheint ungleich, oftpreziös, oft unelegant, aber ebenso oft im höchsten Grad leben-dig, anschaulich, fesselnd. — DasHauptwerk derMemoirenlittera-tur aus der Zeit des großen Königs, in seiner Weise unüber-trefflich und unerreichbar, waren die Denkwürdigkeiten des Her-zogs von Saint-Simon, welche durch ein eigentümliches Geschickder Generation, welche sie nach ihrem eigensten Verdienst gewür-digt und voll verstanden hätte, nur zum Teil bekannt gewordensind. Der Verfasser dieses Buches, Louis de Rouvroy, Herzogvon Saint-Simon, war unter der Regierung Ludwigs XIV.am 16. Februar 1675 zu Versailles geboren, trat als halberKnabe in die Reihen der königlichen Haustruppen und machteseine ersten Feldzüge unter Luxembourg und Boufflers währenddes großen Kriegs der neunziger Jahre des 17. Jahrhunderts.Seit 1693 Herzog und Pair von Frankreich, verweilte er amHof und durchlebte namentlich das Jahrzehnt des spanischenErbfolgekriegs schon mit voller Reife und Urteilskraft. Er ge-hörte zu dem gegen die Willkür Ludwigs XIV. frondierendenAdel, dessen Einfluß dem Herzog von Orleans nach dem Todedes Königs zur vollen Regentschaft verhalf und das TestamentLudwigs umstieß. Nach dem Tode des Regenten zog sich Saint-Simon in völliger Ungnade bei Hof auf seine Güter zurück, undhier schrieb er seine „Erinnerungen" („Llsinoirss"; erster un-vollständiger Druck, Paris 1756 — 58; neueste Ausgabe als„Asmoirss ooinpwts" von Cheruel, ebendas. 1856—76), welche,wenn auch nur bruchstückweise, bald nach seinem am 2. März1755 zu Paris erfolgten Tod hervortraten. Die „Memoiren"des Herzogs von Saint-Simon sind das farbenreichste Bild desHofs Ludwigs XIV. und der französischen guten Gesellschaft imWendepunkt des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Verfasser, ob-schon Parteimann unflvon seinen Standesvorurteilen aufs stärkstebeherrscht, entwickelt eine große Kraft der Beobachtung und eingewisses Streben nach Anschaulichkeit, eine fast dramatischeEnergie und Lebendigkeit der Charakteristik, ein kräftiges male-risch-poetisches Talent in der Vorführung der gesellschaftlichenBegebenheiten. „Persönliche Sympathie und Antipathie beherr-schen meistens,seine Urteile und seine ganze Anschauung. JeneTendenz der Übertreibung und steigenden Medisance, das umdie nackte Wahrheit wenig bekümmerte Talent der Erzählung,