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Hunderiimdsieienie? Kapitel. Die klassischen Prosaisten.
Verbunden mit persönlicher Abneigung oder Vorliebe, die ausder Parteistellung entspringen, und falsche Information überdas Faktische bringen bei ihm große Verunstaltungen der Hi-storie hervor. Als eine Quelle vieler historischer Belehrung kanndas Buch trotz des blendenden Talents, mit dem es geschriebenist, auf keine Weise angesehen werden." Aber eine lebendige undin ihrer Weise unschätzbare Spiegelung der Interessen des Geistesund Urteils der vornehmen Gesellschaft des damaligen Frank-reich empfangen wir in den Aufzeichnungen des mißvergnügtenund grollenden Herzogs. „Was sonst flüchtig von Mund zuMund geht und wieder vergessen wird, zeichnet Samt-Simonaus: nicht etwa unparteiisch, Lob und Tadel, sondern als einvolles und echtes Mitglied dieser Gesellschaft, bald als eifrigerAnhänger, bald als heftiger Feind. Wenn die Medifance vor-herrscht, so ist es nicht sowohl seine Schuld als der Charakterder Gesellschaft." (Ranke,„Französische Geschichte",Bd. 5, S. 322.)
Die „Memoiren" des Herzogs von Saint-Simon rufen un-mittelbarer als irgend ein andres Werk der Zeit der Nachweltdie eigentümlichen Bedingungen, unter denen die blendende GrößeFrankreichs erwachsen war, und denhistorifchen Hintergrund, aufdem sich das glänzende Kulturleben der Periode Ludwigs XIV.entfaltete, in vollem Farbenschimmer und mit taufend reizvollenEinzelheiten vor Augen; sie vergegenwärtigen aber auch zugleich,warum die prächtige exotische Blüte nicht von Dauer sein konnteund im Grund schon welk war, als die draußen stehende Weltsich noch an ihrer Pracht und vermeintlichen Frische entzückteund berauschte. Die Thatsachen der Saint-Simonschen Denk-würdigkeiten bewahren das Gedächtnis des Frankreich Lud-wigs XIV., die Tendenz des originellen Werks verrät, daß in-zwischen eine große Wandlung eingetreten war, eine Wandlung,die zum Teil schon begonnen hatte, ehe der Herzog von Saint-Simon seine Tagebücher in Memoiren umzusetzen anfing.