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Vierter Band
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HundertandachtsS Kapitel.

„Muvrss äs Tension" vonA. Martin, 1874*), jenen Fürstenspiegeleigenster Art, in welchem die Nachwirkungen der Mißregierungund der Irrtümer Ludwigs XIV. in so besonderer Weise erkenn-bar sind. Die dürftige Erfindung dieser Halbdichtung knüpftan die Odyssee an: Minerva in der Gestalt Mentors begleitetTelemach auf der Fahrt nach Spuren des verloren geglaubtenUlysses und unterrichtet auf diesen Wanderungen, auf denen sieeineReihe vonFürstenhöfen besuchen, den künftigenHerrscher vonJthaka in der schweren Regierungskunst. Minerva-Mentor führtseinen Zögling vor allem an den Hof von Salent, wo der einstigeBeherrscher von Kreta, der aus seinem ersten Reich vertriebenist, jetzt regiert. Zdomeneus ist das Porträt des herrschsüchti-gen, ruhmgierigen und eroberungslustigen Königs, wie er nichtsein soll; der junge Telemach wird belehrt, wie er die Klippenvermeiden soll, an denen Jdomeneus gescheitert; ja der gealterteFürst von Salent verschmäht es selbst nicht, den Weisheits-sprüchen Mentors Beifall zu zollen. Der Kern aller Lehrenbleibt der Rat, gerecht, mild, friedlich, durchaus patriarchalischzu regieren, ausschließlich dem Volk und seiner Wohlfahrt zuleben, die bei Eroberungskriegen niemals gedeihen kann undunter prunkvollen Bauten und üppiger Hofhaltung ebensovielleiden muß wie unter dem Geräusch der Waffen. Den Königenist von Gott alle Macht über ihre Völker nur unter der Boraus-setzung verliehen, daß sie diese Macht unablässig zum Wohl desVolks ausüben, sich ganz an ihre Unterthanen hingeben. Langevor Friedrich dem Großen ist hier die Forderung, daß der Königder erste Diener seines Staats sei, erhoben. In betracht derZeiten und Zustände, unter denen Fenelon seine wohlmeinendePhantasie in der reinen, klar durchgebildeten Sprache des goldnenZeitalters der Litteratur schrieb, erscheint das Werk so kühn undenergisch wie prophetisch; durch die später überreiche Erfüllungder Forderungen, welche Fenelon erhebt, ist natürlich die Be-deutung des „Telemach" wesentlich herabgedrückt worden. EineMenge von Sätzen, welche 1699 um ihrer Unerschrockenheit willenangestaunt wurden, sind heute Gemeinplätze, und niemand staunt

i Eine ältere deutsche Bearbeitung suchte dem Halbgedicht nachträglichdie poetische Form zu geben: „Begebenheiten des Prinzen von Jthaka", ausdem Französischen des Fenelon in deutsche Verse gebracht von BenjaminNeukirch (Ausbach 1727—19). Deutsche Übertragung von I. W. Meisen(Aachen 1825).