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Himdertundachtez Kapitel.
Wachsen. Unsraglich barg diese an sich rühmliche Tendenz einegewisse Einseitigkeit; die Nachbildung ausländischer Dichtungenwar keineswegs immer Nachahmung, sondern ging aus einemgesunden und glücklichen Instinkt hervor, daß der Kreis des fran-zösischen Lebens, den die poetische Litteratur darstellen sollte,an sich zu eng gezogen sei, daß in gewissen Fällen Nachahmungdes Auslands Wiedergewinn jener Lebenselemente, jener Man-nigfaltigkeit der Welt bedeute, welche keine Dichtung dauerndentbehren kann. Deutlicher ist diese Wahrheit vielleicht niemalszu Tage getreten als in der interessanten und fesselnden littera-rischen Erscheinung des Lesage.
Alain Rene Lesage, der talentreichste jener Schriftsteller,welche der offiziellen Geschmacksrichtung Widerstand zu leistenWagten, war am 8. Mai 1668 zu Sarzeau bei Vannes in der Bre-tagne geboren, verlor früh seine Eltern, erhielt dessenungeachteteine gute Erziehung und Bildung im Jesuitenkollegium zu Vannesund versuchte dann auf verschiedenen Wegen ein bescheidenesGlück zu finden, was ihm regelmäßig mißlang. Er kam 1693nach Paris, wo er sich entschloß, von seiner Feder zu leben, undseine litterarische Laufbahn mit Übersetzungen aus dem Grie-chischen und Spanischen begann. Er gab 1700 einige Stückedes Rojas und Lope de Vega als „Spanisches Theater" herausund übersetzte den unechten zweiten Teil des „Don Quichotte" vonAvellaneda. Aber erst als er den Mut gewann, selbständigervorzugehen, und in demselben Jahr (1707) das kleine Lustspiel„Crispin als Nebenbuhler seines Herrn" und den nach dem Spa-nischen bearbeiteten Roman „Der hinkende Teufel" herausgab,fing er an bekannt zu werden und litterarische Geltung zu er-langen. Der Erfolg des komischen Romans war ein außeror-dentlicher, weil Lesage Töne angeschlagen hatte, die man seiteinen: Menschenalter in der französischen Litteratur nicht mehrvernommen und nach denen man doch Verlangen gehegt hatte.Wenige Zeit später erregte sein Lustspiel „Turcaret" Aufsehen;den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er mit dem größernRoman: „Gil Blas von Santillana", seinem Meisterwerk. AlsDramatiker widmete er seine spätere Thätigkeit den Theatern:„äs m toirs", für welche er im Verein mit einer Anzahl vonMitarbeitern gegen hundert komische Opern, Possen, Parodienund Lustspiele mit den stehenden Figuren der italienischen Masken-komödie schrieb, und in denen er seinem Humor die Zügel schießen