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Himdertmidachtes Kapitel.
Roman „GilBlas" allein von dauernder Wirkung blieb. — EinWerk eigentümlicher, wenn schon wenig erfreulicher Art war dasLustspiel „Cartouche oder die Diebe" („LsrtoueLs oa Is«volsurs"; erster Druck, Paris 1721), eine keck und beinahe frechaus dem Leben gegriffene Darstellung von Vorgängen, die ebenganz Paris in Aufregung setzten oder gesetzt hatten. Währenddes ganzen Jahrs 1720 trieb der berüchtigte Cartouche mit seinerDiebs- und Mordbande sein Wesen in der französischen Haupt-stadt, die alle Tage von neuen Einbrüchen und Verbrechen ver-nahm, ohne daß es der Polizei gelang, des allbekannten Haupt-anführers habhaft zu werden; erst am 6. Oktober 1721 wurdeCartouche von einem seiner Spießgesellen verraten und verhaftet.Bereits am 21. Oktober ließ Legrand ein Stück aufführen, wel-ches er vor Monaten und zwar zuerst unter dem Titel: „Car-touche, derUngreifbare"(„68.rtouebs, I'üowillS iraprsnabls")verfaßt hatte, und dessen Aufführung ihm bis zur Gefangennahmedes Räuberhäuptlings untersagt worden war. Lesage hatte im„Turcaret" die Finauzpächter angegriffen, Legrand wagte sichbereits an die allmächtige Polizei. Wie unbedeutend dergleichenrasch vorübergehende Stücke sein mochten, als Symptome derherrschenden Stimmung waren sie weder uninteressant, nochgering zu achten.
Das Verlangen nach größerer Freiheit der Bewegung, alssie auf den privilegierten Theatern möglich schien, veranlaßteeine Anzahl von jüngern oppositionell gestimmten Poeten, nachdem Voraugang von Lesage und Legrand sich an der Förderungder komischen Oper zu beteiligen und die Form des Vaudevillesemporzubringen. Die Theater de la Foire (kleine Theater, dienur einige Monate des Jahrs hindurch spielten) waren allmäh-lich durch Verbote und immer größere Einschränkungen ihrerDarstellungsmittel dahin gediehen, Pantomimen aufzuführen,denen zur Verbesserung und Verstärkung des Eindrucks sogen..Mritssux" (Papierrollen, die der Schauspieler den Zuschauernzum Ablesen vorhielt) und Couplets beigefügt waren, die, aufTafeln geschrieben, aus den Soffiten herabschwebten und, vornOrchester begleitet, vom Pantomimenspieler mit bezeichnendenGesten erläutert, nach bekannten Melodien vom ganzen Publi-kum gesungen wurden. An diese abenteuerlich rohen Kunstpro-duktionen knüpften einige geistvolle Schriftsteller einen Teil ihrerThätigkeit an: in den Ecriteaux und Couplets konnten satirische