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Vierter Band
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Die französische Schule in der englischen Dichtung.

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entgegentreten. Wir finden dasselbe durchgebildete Sprachgefühl,dieselbe Freude an der Makellosigkeit des Verses, den WohlklangdesReims. Aber Popes Talent erscheint im ganzen doch reicher;trotz entschiedenen Überwiegens der Reflexion, trotz des Herein-ziehens absolut unpoetischer Erörterungen ins Gebiet der Poesie,trotz rhetorischer Neigungen besitzt er eine stärkere Phantasie,größere Beweglichkeit und einen lebhaftem Natursinn als seinfranzösischer Meister. Den höchsten Rang nehmen seine erzäh-lenden und beschreibenden Gedichte ein und unter den erstem wie-der,,Der Lockenraub"^ (,,Dbs rnxs ok tlrs loeü"; erster Druck,zwei Gesänge, noch ohne die komische Mythologie, in Lintots„Lliseolls,!^" 1712; selbständig London 1714), die beste Erfin-dung und lebendigste Darstellung Popes, in der seine besondernVorzüge zu Recht kommen. Das ganze komische Epos gründetesich auf einen kleinen gesellschaftlichen Vorgang. Lord Petreschneidet unbefugt der schönen Miß Arabella Fermor eine ihrerLocken ab, woraus denn gesellschaftlicher Zwist und Krieg, Ver-wirrung allerArt hervorgehen, bis die streitige Locke gleich Bere-nices Haaren unter die Sterne versetzt wird. Der Hauptreiz desGedichts liegt natürlich in dem Gegensatz zwischen dem anekdo-tischen Vorgang und dem episch-satirischen Stil, die Belebungin der realistisch getreuen Wiedergabe des gesellig-nichtigen Trei-bens und in einer höchst glücklich erfundenen Mythologie, diezugleich wieder die große Göttermaschinerie der Heldengedichtewitzig parodierte. Die reizendsten Szenen des komischen Epos sindmehr durch ihre Eleganz als durch frische Natürlichkeit wirksam,aber bis zum Schluß steigert sich das Interesse, statt zu erlahmen.Weit mehr als Boileaus „Chorpult", welches bei allen Vorzügenmagerer und ungraziöser erscheint, wirkte Popes „Lockenraub" aufdie Entstehung ganzer Reihen von ähnlichen Gedichten. Diehumoristische Epik in der deutschen Litteratur des 18. Jahr-hunderts nahm beinahe durchaus Popes „Lockenraub" zumMuster, ohne freilich die elegante Haltung und geistvolle De-taillierung erreichen zu können, die eben nur mit dem Hinter-grund des großen englischen Gesellschaftslebens möglich waren.

Weit unerfreulicher als der „Lockenraub" erscheint Popesvielgenanntes, gleichfalls in zwei Bearbeitungen vorhandenes

^ Deutsche Übertragungen von Viktoria Adelgunde Gottsched (Leipzig1744), M. Duttenhofer (Pforzheim 1841), von Albrecht Deep in „Alex-ander Pope, ein Beitrag znr Litteraturgeschichte" (Leipzig 1876).