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HundertundzchnteS Kapitel.
Voll, korrekt, beredt, mit leichtem Flusse, streng logisch, klar undglatt aus einem Guß" erscheint.
Von den übrigen Dichtungen Popes gehören einige poetischeEpisteln zum Besten, was ihm gelungen. So die Epistel „Heloisean Abälard", welche von einer bei Pope ungewöhnlich leiden-schaftlichen Stimmung erfüllt und durch einzelne wahrhaftschöne Empfindungslaute ausgezeichnet ist, die „Satire auf denCharakter der Frauen", so das Gedicht „Der Windsorforst", inwelchem Pope sich von einem Hauch jener Naturfreude durch-drungen zeigt, die das uralte Eigentum der englischen Dichtungist, und verschiedene kleinere Dichtungen. Der größere Teil derspätern Satiren offenbart die üblen Eigenschaften, wegenderen Pope verrufen war, iu unerfreulichster Weise. Die ge-hässigen Ausfälle gegen Lord Harvey, den Herzog von Chandos,Lady Montague und andre Persönlichkeiten, mit denen Popezum Teil intim befreundet gewesen war, erregten Anstoß bei derMitwelt und sind interesselos für die Nachwelt. Sie teilen übri-gens mit den bedeutenden Dichtungen Popes die Klarheit derAnordnung und des Ausdrucks, die gefällige Versifikation, siebelegen überall, daß das formelle Talent Popes ihn mit Rechtunter einer Dichtergeneration hochstellte, die beinahe durchgehendnur formelle Vorzüge besaß und erstrebte.
Die Grundanschauung über die Kunst, welche Pope schaffendund kritisch vertrat, ward wenigstens auf den Gebieten der rei-nen Lyrik und lyrischer Epik, der Tragödie und regelmäßigenKomödie, der beschreibenden und didaktischen Poesie völligherrschend. Wenn England in Popes Zeit Schriftsteller zählte,die in ihren Hauptwerken oder mit bestimmten Seiten ihresTalents und ihrer Thätigkeit unabhängig vom französischenKlassizismus blieben, so hatte diese Selbständigkeit Ursachen,welche später zu erörtern sein werden. Weitaus die Mehrzahlder englischen Poeten folgten dem Pfade, den Pope mit so vielemGlück eingeschlagen hatte. Unter den Talenten, welche der fran-zösischen Schule mehr oder minderzugehören, stand MatthewPrior der Art Popes am nächsten. Er war am 21. Juli 1664 zuWinburne geboren, besuchte die Westminsterfchule und die Uni-versität Cambridge und erlangte früh einen gewissen Ruf, alser in Gemeinsamkeit mit Charles Montague Drydens übel be-rufene Allegorie „Die Hirschkuh und der Panther" in demGedicht „Stadtmaus und Landmaus" höchst glücklich parodierte.