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Vierter Band
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Die französtlche Schule in der deutschen Dichtung.

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teratur nach französischen Mustern vertraut war und von dieserSeite her ihren Gemahl ergänzte. Von dieser Heirat an wardGottscheds Haus in Leipzig auch die Stätte einer Geselligkeit,in der sich einige Anfänge weltmännischer Gewandtheit mitdem althergebrachten Pedantismus des Gelehrtentums wunder-lich paarten. Die Beziehungen, welche Gottsched hier zur Uni-versität, dort zum Leipziger kaufmännischen Patriziat, darüberhinaus zum Grafen Manteuffel wirklich hatte, jene andern,welche er zum polnisch-kursächsischen Hof eifrig suchte, derausgebreitete Briefwechsel, in dem er stand, das Geschick, mitdem er alle zur Poesie geneigten oder sonst geistig regsamenStudenten an sich heranzog und sich dadurch einen außerordent-lichen Einfluß auf die Jugend sicherte, gaben ihm eine Bedeutung,die er durch umfassende Arbeiten, unablässige poetische Produk-tion und den hohen Ton siegesgewisser Überzeugung, den er Ver-nehmen ließ, unablässig steigerte. Als es ihm auch noch gelang,in der Neuberschen Gesellschaft eine Schauspielertruppe zu ge-winnen, die wenigstens den Anlauf nahm, sich seinen An-schauungen vom Wesen und Zweck der Bühne zu unterwerfenund das korrekte, stilgerechte französische Drama auch in Deutsch-land zu verbreiten, schien er die Höhe erreicht zu haben, auf derer die gefeierten französischen Autoren erblickte. Gleichwohlbegann bereits seit der Mitte der vierziger Jahre der Niedergangeines so rasch erworbenen als weitreichenden Ruhms. DieStreitigkeiten mit den Schweizer Kritikern Bodmer und Brei-tinger, denen er in seiner rechthaberischen Weise schon 1740 denKrieg erklärt hatte, erschütterten seine unbedingte Autorität,führten zuerst persönliche Feinde und Neider, demnächst abergerade viele der talentvollsten jüngern Anhänger und Schülervon ihm hinweg und in ein andres ästhetisches Lager hinüber.Seit 1744 die Bremer Beiträger von den „Belustigungen desVerstandes und Witzes" abgefallen waren, die Gottscheds ge-treuer Magister Schwabe herausgab, mehrten sich die Gegner;das Auftreten Klopstocks und Lessings, von denen Gottschedweder den einen noch den andern begriff, der Umschwung derStimmung im Publikum, der ihm völlig unverständlich war,die fehlgeschlagenen Versuche, durch eine immer schärfere Polemikoder durch verblüffende Schauspiele, wie die DichterkrönungSchönaichs eins war, das alte Ansehen zu behaupten — allesvereint, beraubte Gottsched sehr rasch sogar desjenigen Ansehens,

Stern, Geschichte der neuern Litteratur, IV. 16