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Hundertundelftes Kcipliel.
Fürstenschule mit Geliert und Gärtner befreundet, schloß sich Ra-bener dem Kreis der Bremer Beiträger litterarisch um so engeran, als seine milde, gemäßigte Sinnesweise, seine Neigung zur ein-fach klaren, allverständlichen, heiter unterhaltenden Darstellungmit den Bestrebungen dieser Poeten zusammentrafen. Sicher üb-ten seineSatiren, in denen er sich fast dnrchgehends der monotonendirekten Ironie bediente, und welche hauptsächlich die sittlichenund äußerlichen Gebrechen der mittlern Lebenskreise darzustellenund zu treffen suchten, auf das Publikum seiner Zeit eine be-lehrende und erfreuende Wirkung. Aber beim Mangel allersatirischen Kühnheit, schärfern Geistes und belebender Stimmung,bei der übermäßigen Breite der einzelnen Schilderungen undSkizzen veralteten die Schriften rasch. Die Überzeugung Rabe-ners, daß die Schreibart, deren man sich bei der Satire bediene,mit einer außerordentlichen Vorsicht gewählt sein müsse, wennsie nicht anstößig werden und den Leser wider die Satire auf-bringen solle, entsprang aus der in Rabeners Zeit nur zu wohl-begründeten Furcht, niit verleumderischen und verächtlichen Pas-qnillanten verwechselt und im bürgerlichen Leben danach be-handelt zu werden. Die erste Sammlung seiner „SatirischenSchriften" (Leipzig 1751) veranstaltete Rabener selbst, seine„Sämtlichen Schriften" (ebendas. 1777, neueste Ausgabe1840) erschienen erst nach seinem Tod; an der Herausgabe warChr. Fel. Weiße, der auch „Rabeners Briese" (ebendas. 1772)veröffentlicht hatte, beteiligt. Indem Rabeners Satiren allesPersönliche, Pasquillantische ausschlössen, verzichteten sie vonvornherein auf den Reiz des Individuellen, welcher jeder poe-tischen Charakterschilderung erst die volle Lebenswärme gibt.Gegen die Theorie, die Rabener aufstellte, wäre wenig zu er-innern gewesen. „Die Charaktere meiner Thoren sind allge-mein; nicht ein einziger ist darunter, auf welchen nicht zehnNarren zugleich billig Anspruch machen können. Zeichne ichdas Bild eines Hochmütigen, so nehme ich die unverschämteStirn von Baven, die stolzen Augenbrauen von Mäven, dievornehm-dummen Blicke von Gargil, die aufgeblasenen Backenvom Krispin, die trotzige Unterkehle von Kleanth, den aufge-blähten Bauch von Adrasten, den gebieterischen Gang vomNeran, und aus diesen sieben schaffe ich einen hochmütigen Nar-ren, der heißt Suffen. Können Bav und Mäv, können die übri-gen sagen, daß ich sie gezeichnet habe? Suffen wird noch leben,