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Vierter Band
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Die französische Schule in der deutschen Dichtung.

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Wenn sie alle tot sind, und ein jeder von ihnen wird wohlthun,wenn er sich denjenigen Fehler abgewöhnt, welchen er in dieserKopie lächerlich findet." Aber in der Ausführung war Rabenerso ängstlich bemüht, jeder Mißdeutung auszuweichen und denCharakter abstrakter Lehrhastigkeit zu bewahren, daß eben dielebendige Figur des Suffen nicht zustandekam und der Satiri-ker es niemals zu einer geschlossenen Erzählung oder auch nurSkizze brachte, wie sie sein Vorbild Swift in meisterhafter Weisegegeben hatte. Der satirische Aufsatz, in Form von Briefen,juristischen Aktenstücken und Ausschreiben, von Reden und Ab-handlungen, überwiegt in Rabeners Schriften durchaus. Diebeständigen Beziehungen auf La Bruhere, Swift und Holberg(dessen „Niels Klim" Rabener als weitverbreitet und allbekanntvoraussetzt) kennzeichnen hinlänglich die Unselbständigkeit, mitwelcher die Schriftsteller dieser Generation dem Leben nochgegenüberstanden; immerhin mußte es schon als ein außer-ordentlicher Fortschritt gelten, daß Rabener den Versuch machte,zu den Vorbildern, welche er bei den ausländischen Satirikernfand, vaterländische Kopien aufzusuchen und denselben einigeZüge zu leihen, die der Beobachtung und nicht der litterarischenTradition entstammten.

Höher als alle genannten Schriftsteller der Leipziger Schulestand in der öffentlichen Meinung und tiefgreifender erwies sichin seinen Wirkungen und Nachwirkungen der „deutsche Lafon-taine", dessen eigenstes Verdienst es bleibt, daß er, obschondurchaus an den Franzosen geschult, obschon in seiner Empfin-dung und Lebenskenntnis aus einen engen Kreis eingeschränkt,doch mutvoll den Versuch unternahm, unmittelbares Leben zuersassen und die lehrhaften Elemente seiner Dichtung durch dieVerbindung mit wirklicher Beobachtung und einer leichten Dar-stellungskunst zu frischer Wirkung zu erheben. Der ungeheureErfolg, den diese Bestrebungen hatten, durste freilich zum gutenTeil auf die Rechnung der eigenartigen Persönlichkeit gestelltwerden, mit der sich Christian Fürchtegott Gellert seinenZeitgenossen darstellte. Als der fünfte Sohn eines kinderreichenPredigers zu Hainichen in Sachsen am 4. Juli 1715 geboren,hatte Gellert seine Bildung (gemeinsam mit Gärtner und Ra-bener) seit 1729 auf der Fürstenschule St. Afra zu Meißen er-halten, von 1734—38 auf der Leipziger Universität Theologiestudiert, aber ziemlich früh erkannt, daß sowohl seine schwache