Die französische Schule in der deutschen Dichtung.
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keit, die behagliche Liebenswürdigkeit und sprachliche Gewandt-heit seiner Poesie wieder erreicht ward. Seine „Sämtlichenpoetischen Werke" (Hamburg 1756) wurden bald nach sei-nem Tod gesammelt, sie konnten die Wirkung nur erneuen, nichtaber erhöhen,welche die Einzelveröffentlichungen des „Versuchsin poetischen Fabeln und Erzählungen" (ebendas. 1738),der „Sammlung neuer Oden und Lieder" (ebendas. 1747)und der „Moralischen Gedichte" (ebendas. 1750) hervor-gerufen hatten. Hagedorns Dichtung überraschte durch ihreNatürlichkeit und leichte Verständlichkeit, sie ward „als einWunder von Leichtigkeit und Eleganz angestaunt" (Lemcke), derbequem-gesellige Ton seiner Trinklieder, der leichte und gele-gentlich kecke Scherz seiner Liebesgedichte, welche jenes undefi-nierbare Element enthalten, das den Franzosen für Zärtlichkeitgilt, die sokratische Heiterkeit seiner betrachtenden Gedichte, indenen sich die Lust am Leben immer siegreich über alle Unbilldes Lebens erhebt, die liebenswürdige Behaglichkeit seiner klei-nen erzählenden Gedichte und Fabeln, unter denen einige sichseit ein und einem halben Jahrhundert lebendig erhalten haben:alles war neu, überraschend, erfrischend und schmeichelte sich mitdem geglätteten, ja gelegentlich schon melodischen Deutsch inSinn und Gedächtnis der Hörer und Leser ein. Der RuhmHagedorns blieb denn auch in den nachfolgenden litterarischenKämpfen und mitten in der Bewegung unangetastet, welche dieVorherrschaft des französischen Klassizismus zu brechen suchte,die Hagedorn so willig anerkannt hatte.
Eine im innersten Kern Hagedorn verwandte, nur minderfeste und in sich sichere Poetennatur, welche durch ihr persön-liches Thun und Treiben stärkern Einfluß auf die deutsche Lit-teratur gewann als durch die Summe ihrer vielseitigen Lei-stungen und Versuche, war Johann Wilhelm LudwigGleim, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts so vieleJahrzehnte hindurch als der alte Gleim genannt wurde, daß mansich schwer vergegenwärtigen konnte, er sei zu irgend einer Zeitseines Lebens der junge Gleim gewesen. Gleim ward am 2. April1719 zu Ermsleben bei Halberstadt geboren, studierte von 1738bis 1740 die Rechte in Halle und schloß hier jenen poetischenFreundschastsbund mit Uz und Götz, welcher durch Nachahmun-gen des Anakreon und noch mehr leicht-fröhlicher englischer undfranzösischer Poeten die „anakreontifche Poesie" in Deutschland