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Vierter Band
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HulidertundzwölsteS Kapitel.

gesetzliche Grundlagen haben. Folgerichtig verwahrte sich Lockegegen die Vermischung von Politik und Religion und gegen jedeVerwendung der Staatsgewalt wider (religiöse) Anschauungenund Meinungen. Er sorderte die Trennung des Staats Von derKirche und suchte die Idee der religiösen Toleranz, der er inden „Briefen über die Toleranz" noch ein besonderes Werk wid-mete, im Staats- und Gejellschaftsleben zum erstenmal tieferzu begründen. In unmittelbarer Folge der großen Umgestaltun-gen des Staats- und Verfassungslebens in England entwickeltesich auf theologischem und moralphilosophischem Gebiet eineKritik der seither geltenden kirchlichen Lehren und der gesammtenkirchlichen Autorität. Suchten Locke und seine nächsten Anhän-ger noch den Schein zu wahren, wenigstens mit der HeiligenSchrift (die sie nach ihrem Sinn auslegten) im Einklang zu sein,so ließen die englischen ..Leisten" Shaftesbury, Toland, Collins,Tindal, Wollaston und andre diese Fiktion fallen, indem sie baldin ernst-gelehrter, bald in frivol-spottlustiger Art den Kirchen-glanben und alle denselben vertretende Theologie angriffen, dieDenkfreiheit ohne weiteres auf Gegenstände und Fragen über-trugen, welchen man bis zu dieser Zeit eine Heiligkeit beige-messen hatte, die jede Untersuchung und Kritik ausschloß. EineGruppe von Popularphilosophen und kühnen Schriftstellern, dieSchule der englischen „Leisten", gingen auf Zerstörung deshistorischen Christentums und die Ersetzung desselben durcheinen „vernünftigen" Gottesglauben („Deismus") aus. Die An-schuldigungen der Gottesleugnung und der Religionslosigkeit,welche gegen die deistischenAutoren vielfach geschleudert wurden,wiesen sie mit Entrüstung und Energie zurück; in der That wares den meisten von ihnen aufrichtig um die „vernünftige" Gottes-verehrung und die reine Moral und um die Ausbreitung ihrerAnschauung über alle Volksschichten zu thun. Einzelne aristo-kratische Adepten der neuen Aufklärung nahmen eine Sonder-stellung ein. Sie befürworteten aus Gründen der Zweckmäßigkeitdie Erhaltung der Volksreligion und Staatskirche, waren aberder Meinung, daß damit eine völlige Abkehr aller Gebildetenvom Christentum und ein gleichsam freimaurerisches Bekenntnisder Vernunstreligion wohl vereinbar seien.

So wurden in England die intellektuellen und moralischenKräfte der modernen Gesellschaft in den Kampf wider das histo-risch Gewordene und Geltende getrieben. Eine Moralphilosophie,