Band 
Vierter Band
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Hundertunddreizehntss Kapitel.

Lebensfreude, die aus älterer Zeit in die neuen Verhältnissehinübergerettet waren, daneben freilich auch viel Engherzig-keit, Nüchternheit und falscher Prunk mit sehr dürftigem Wissentreten uns aus der Mehrzahl der moralischen Wochenschriftenentgegen. Die englischen, welche allen übrigen als Musterdienten, standen bei großen Mangeln und Einseitigkeiten dochunvergleichlich höher als alle französischen und deutschen Nach-ahmungen. lind unter den englischen waren die ersten, alsderen Seele Addison angesehen werden muß, weitaus die frische-sten und interessantesten.

Noch heute, wo uns so vieles im „Plauderer" und spätern„Zuschauer" veraltet, trivial und unerquicklich dünkt, läßt sichdennoch an den bessern Nummern, an vielen der BeiträgeAddisons zumal, die ganze Wirkung nachempfinden, welche dieseBlätter ihrer Zeit gemacht. Zum erstenmal wurden eineReihe von Beobachtungen und Anschauungen, welche bis dahindurchaus keine Vertretung in der Litteratur gefunden hatten, ineiner leichten, lebendigen, graziösen Sprache, welche in ihrerWeise gleichfalls neu war, dargestellt. Allerdings hatten auchAddisons Tatler-Aussätze ihre Vorläufer. Hettner hat mit Rechtin seiner„EnglischenLitteraturgeschichte" hervorgehoben, daß ein-zelne Fabeln von Dryden, die Charakteristiken von Shaftesbury,die Bienenfabel von Mandeville stellenweise die Darstellungsartund den Ton der spätern moralischen Wochenschriften voraus-nahmen. Man darf hinzufügen, daß auch das englische Kon-verjationslustspiel der Wicherley, Congreve und Vanbrugh, unddie frühsten Schriften von Defoe und Swift einzelne der Sai-ten anschlugen, durch welche Addison bald ganz England ent-zückte. Doch dies waren eben nur einzelne Saiten, das Instru-ment wurde mit vollendeter Virtuosität erst im „Plauderer"und „Zuschauer" gespielt. Zum erstenmal gelang es, die bunteVielheit der Gegenstände, welche das allgemeine Interesse inAnspruch nehmen, die öffentliche Meinung herausfordern oderanregen, die Mannigfaltigkeit der gesellschaftlichen Zustände,des unmittelbaren Lebens innerhalb einer Zeitschrift widerzu-spiegeln. Der „Plauderer" war nur der Vorläufer des „Zu-schauers", in dem dies in vollendeter Weise geschehen sollte.Aber auch er enthält meisterhafte Aufsätze, vorzügliche Porträteund launige Genrebilder, wie sie die englische Prosa nie zuvorbesessen. Der politische Tapezierer, welcher zeitungslesend und