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Vierter Band
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Addison und die moralischen Wochenschriften.

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Lebensstellung und verschiedenen Berufs, welche sich zusammen-finden, deren Erlebnisse den roten Faden bilden, welcher lockerund lose genug sich durch die Zeitschrift hinzieht, deren Eigen-tümlichkeiten und Neigungen seinen Blick nach verschiedenenRichtungen hinlenken und so vollkommen zwanglos und höchstglücklich Anlaß zu den verschiedensten Darstellungen geben.Dieser Klub, wie er in einem zweiten Blatte des „Zuschauers"geschildert wird, war thatsächlich zuerst vonSteele skizziert, vonAddison überarbeitet worden, und namentlich die beiden gelun-gensten Gestalten desselben, den Landedelmann Sir Roger deCoverley und den Stadtgecken Will Honeycomb, schreiben die eng-lischen Kritiker Addison zu. In den Rahmen, welcher solcher-gestalt geschaffen wurde, fügt sich die unendliche Mannigfaltig-keit der Gegenstände, welche der „Zuschauer" in den Bereichseiner Augen und seiner Feder zieht, paffend ein; ja, für vieleAbhandlungen und Darstellungen der Zeitschrift ist die Ein-rahmung geradezu unübertrefflich und von großer Wirkung.Die meisten Aufsätze des „Zuschauers" nehmen den Raum einerTagesnummer in Anspruch, doch finden sich auch nicht wenige,welche eine oder mehrere Fortsetzungen haben. Um Steele, wel-cher als Herausgeber fungierte, hatte sich eine Gruppe von Mit-arbeitern geschart, unter denen Eustazius Budgell, AmbrosiusPhilips, Parnell, Tickell genannt werden. Die eigentlicheSeele des Blattes blieb Addison. Von ihm rühren fast allejene Beiträge her, welche heute noch als die klassischen des „Zu-schauers" gelten: die Bankallegorie, die Besuche der Westmin-sterabtei, das Tagebuch eines zurückgezogenen Bürgers und einerDame, die Vision des Mirzah, der Witwenklub,die Liebe Hilpahsund Schalums, die Seelenwanderungen des Affen Pug, der TodSir Roger de Coverleys, denen sich eine Reihe andrer nächstbe-rechtigt anschließt. Durch ihn wurden die glücklichsten morali-schen Betrachtungen wie die besten Kritiken des Blattes geliefert.Die erstem erscheinen uns heute nüchtern und konventionell,die letztem beschränkt und von der wunderlichen Überschätzunglateinischer und französischer Vorbilder erfüllt, welche der Zeiteigen war. Man darf jedoch keineswegs vergessen, daß derherrschenden Sittenroheit, der herkömmlichen Äußerlichkeit gegen-über die Anschauungen Addisons nicht überall konventionelle,sondern vielfach geläuterte waren. Wir finden z. B., daß feinVerständnis und seine Auffassung der Liebe und Ehe nicht be-

Stern, Geschichte der neuern Litteratur, rv. 19