Band 
Vierter Band
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Hundertunddreizehntes Kapitel.

sonders tief sind, ja uns stellenweise entrüsten; immerhin aber ister einer der ersten Schriftsteller, der sich gegen die Roheit bloßerBorteilsheiraten erklärte und die „Sittsamkeit" verhöhnte, dieohne eigne Neigung „auf Befehl der Eltern bereit ist, mit demersten besten Mann zu Bett zu gehen". Wir sehen ihn von vie-len Borurteilen befangen, aber, wo dieselben auch nur den leisestenZusammenhang mit den eigentlich niedrigen menschlichen Eigen-schaften, mit Grausamkeit, Neid, Undank oder Feigheit, haben,sich augenblicklich und kräftig gegen sie erheben. Und selbst inseinen Kritiken, unter denen eine Reihe von Aufsätzen überMil-tons „Verlornes Paradies" wohl die umfassendsten sind, verräter zwar sklavische Abhängigkeit vom mißverstandenen Aristotelesund nur zu gut verstandenen Boileau, vermag er zwar, wiebeinahe alle seine Zeitgenossen, eigentliche Poesie und Rhetorikoder verständige Reflexion nicht zu trennen, legt er der Phan-tasie ungebührlich geringes und dem „Scharfsinn" ungebührlichgroßes Gewicht bei; aber er besaß innerhalb seines engen Kreiseseinen sein gebildeten Geschmack und große Sicherheit. DurchAddison und dessen Mitwirkung wurde der „Zuschauer" überdas Schicksal beinahe aller Zeitschriften hinausgehoben und einebleibende Bereicherung der englischen Litteratur.

Die Geistesheiterkeit, der unbefangene Humor, welche Ad-disons Aufsätze während der beiden Jahre auszeichnen, in denender „Zuschauer" erschien, sind um so bewunderungswürdiger,als in dieser Zeit in der That schwere Sorgen auf ihm lasteten.Ganz abgesehen vom momentanen persönlichen Mißgeschick, er-regten die politischen Zustände die Befürchtungen des konsequen-ten Whigs. Das Ministerium Oxford-Bolingbroke schien ge-radezu auf eine Wiederherstellung der Stuarts hinzuarbeiten,die Königin, deren Anschauungen sich von denen der jakobitischenPartei nur dadurch unterschieden, daß sie bei ihren Lebzeiten denThron zu behaupten wünschte, den ihr junger Bruder als legi-timer König in Anspruch nahm, begünstigte die Machinationen,die gegen die Thronfolge des Hauses Hannover gerichtet wurden.Die Gefahr, alle Früchte der Revolution von 1688 zu verlieren,war stündlich näher gerückt. Sie trieb heißblütige Männer,wie Steele, zu lauten Ausbrüchen der Wut, sie lastete schwerauf gefaßtern Naturen, wie Addison. Kam nach dem Tod Annas„König Jakob Hl." zur Regierung, so ging es mit allen Aussich-ten der Whigpartei für lange Zeit zu Ende. Konnte auch ein